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Kernenergie
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Kernenergie, auch Atomenergie, Atomkraft, Kernkraft oder Nuklearenergie, ist die Technologie zur groĂtechnischen Erzeugung von Sekundärenergie mittels Kernspaltung. Diese Technologie wird seit den 1950er Jahren in groĂem MaĂstab zur Stromproduktion genutzt. Nach anfänglicher Euphorie und groĂem gesellschaftlichen Konsens fĂźr die neue Technologie, kam in den 1970er Jahren die Anti-Atomkraft-Bewegung auf und die Kernenergie ist seitdem eine der gesellschaftlich umkämpftesten Industrietechnologien Ăźberhaupt. Zu den Vor- und Nachteilen der Kernenergie gibt es unterschiedliche Ansichten, insbesondere wird ihre Sicherheit kontrovers diskutiert. Betrachtet man alle bisherigen Todesfälle, gehĂśren Kernkraftwerke zu den sichersten Mitteln zur Stromproduktion. BefĂźrworter verweisen auf die Grundlastfähigkeit der Kernenergie und die kohlenstoffarme Stromerzeugung, die eine wichtige Säule beim Klimaschutz und der Aufrechterhaltung einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung sein kĂśnne. Kritiker sehen die Kernenergie im Vergleich zu einem erneuerbaren Energiesystems auf Basis aus Solar-, Wind-, Wasser- und Speichersystemen als zu teuer an und argumentieren im Hinblick auf die langen Bauzeiten von Kernkraftwerken, dass die Kernenergie fĂźr die Begrenzung des Klimawandels nicht schnell genug ausgebaut werden kĂśnne.
Contents
⢠Geschichte
⢠Kernspaltung
⢠Kernkraftwerk
⢠Sicherheit
⢠Urananreicherung
⢠Zwischenlagerung
⢠Endlagerung
⢠Rechtsgrundlagen
⢠Umweltaspekte
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Einsteiger
⢠Fachliteratur
⢠Sachliteratur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Geschichte
Begriffsgeschichte
Als einer der ersten prägte der Physiker Hans Geitel 1899 den Begriff Atomenergie fßr die im Zusammenhang mit radioaktiven Zerfallsprozessen auftretenden Phänomene. Später kamen die Synonyme Atomkernenergie, Atomkraft, Kernkraft und Kernenergie hinzu.
Die Verwendung dieser Bezeichnungen hat eine politisch-ideologisch motivierte Verschiebung erfahren. In den 1950er-Jahren war die Vorsilbe Atom noch nicht ideologisch besetzt und wurde auch von Befßrwortern der Technik verwendet. Franz Josef Strauà war zum Beispiel Bundesminister fßr Atomfragen und der Lobbyverband der am Einsatz der Technik interessierten deutschen Unternehmen wurde 1959 als Deutsches Atomforum gegrßndet. Experten sowie Befßrworter der Kernenergie verwendeten hauptsächlich die Vorsilbe Kern, da die relevanten Prozesse im Atomkern ablaufen, und nicht im gesamten Atom. Kritiker bestanden dagegen auf die Vorsilbe Atom und knßpften dabei an den Widerstand gegen die Atombomben-Bewaffnung der Bundeswehr in den 1950er-Jahren an. Zunächst unterschieden sich die beiden Synonyme in ihrem Gebrauch zwischen Fachsprache und Alltagssprache. Erst durch die Auseinandersetzung um die Begriffe wurden Kernkraft und Atomkraft zu politischen SignalwÜrtern und Erkennungszeichen.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]
Das Synonym Atomkernenergie wurde in der ersten Zeit der technischen Nutzung verwendetcite-ref-4[4] (Namensänderung des Atomministerium in Bundesministerium fßr Atomkernenergie 1961) und bis heute als atomrechtlicher Begriff etwa beim Länderausschuss fßr Atomkernenergie.
Technikgeschichte
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Hauptartikel
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Entdeckung der Kernspaltung
Um 1890 wurden erste Experimente zur Radioaktivität durchgefĂźhrt. Das Ziel Antoine Henri Becquerels, Marie und Pierre Curies und anderer war die Erforschung von Kernreaktionen. 1938 entdeckten Otto Hahn und Fritz StraĂmann die induzierte Kernspaltung von Uran, die 1939 von Lise Meitner und Otto Frisch theoretisch erklärt wurde. Zusammen mit dem insbesondere von FrĂŠdĂŠric und Irène Joliot-Curie erbrachten Nachweis, dass eine Kettenreaktion mĂśglich ist, weil bei jeder durch ein Neutron ausgelĂśsten Kernspaltung mehrere weitere Neutronen freigesetzt werden, wurden die praktischen AnwendungsmĂśglichkeiten der Kernspaltung klar.
Zuerst wurden diese Erkenntnisse fĂźr die militärische Forschung während des Zweiten Weltkrieges genutzt. Im Rahmen des Manhattan-Projekts gelang Enrico Fermi am 2. Dezember 1942 die erste kontrollierte nukleare Kettenreaktion in einem Kernreaktor in Chicago (Chicago Pile One). Während das Ziel des von Robert Oppenheimer geleiteten Manhattan-Projekts mit der ersten erfolgreich gezĂźndeten Atombombe am 16. Juli 1945 (Trinity-Test) erreicht wurde, gelang es der deutschen Forschungsgruppe unter Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker bis zum Kriegsende nicht, einen funktionierenden Kernreaktor zu entwickeln (Uranprojekt). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die militärische Forschung fortgesetzt. Parallel wurde die zivile Verwendung der Kernenergie entwickelt. Ende 1951 erzeugte der Versuchsreaktor EBR-I im US-Bundesstaat Idaho erstmals elektrischen Strom aus Kernenergie und erleuchtete am 20. Dezember vier GlĂźhlampen. Das erste Kraftwerk zur groĂtechnischen Erzeugung von elektrischer Energie wurde 1954 mit dem Kernkraftwerk Obninsk bei Moskau in Betrieb genommen. 1955 folgte das Kernkraftwerk Calder Hall in Nord-West England auf dem Gelände des Nuklearkomplexes Sellafield.
In Deutschland wurde 1957 mit dem Forschungsreaktor MĂźnchen in Garching der erste Forschungsreaktor in Betrieb genommen. 1961 wurde auf der Gemarkung der Gemeinde Karlstein am Main aus dem Kernkraftwerk Kahl mit einer Leistung von 15 MW zum ersten Mal elektrischer Strom aus Kernenergie in das westdeutsche Versorgungsnetz eingespeist. 1966 nahm in der DDR das Kernkraftwerk Rheinsberg seinen Betrieb auf. Der Ausbau der Kernenergie in Westdeutschland erfolgte dabei nicht marktgetrieben bzw. als Reaktion auf eine Energieknappheit. Stattdessen kam staatlichen Instanzen die SchlĂźsselrolle zu, während z. B. die Energieversorgungsunternehmen âlange der bremsende Faktor bei der Durchsetzung der Kernenergieâ waren.cite-ref-5[5] Es wird sogar die Auffassung vertreten, dass in den Anfangsjahren der entscheidende Antrieb fĂźr das deutsche Kernenergieprogramm darin bestand, damit die Option auf eine Nuklearbewaffnung zu schaffen.cite-ref-6[6] Während die deutsche Atompolitik in Fortsetzung des Uranprojekts (siehe oben) zunächst auf den Schwerwasserreaktor setzte, Ăźbernahm man in den 1960er Jahren das gĂźnstigere amerikanische Konzept des Leichtwasserreaktors, ein âSieg der Ăkonomen Ăźber die Technikerâ.cite-ref-7[7]
Mit dieser Nachahmung der Amerikaner ergaben sich fĂźr Deutschland spezifische Probleme: So waren die zivilen amerikanischen Reaktoren in Anbetracht des Status der USA als Atommacht derart gewählt, dass sie von den militärischen Uran- und Plutoniumanlagen profitierten, womit eine flieĂende Grenze zur Militärtechnik eine Grundvoraussetzung der dortigen Reaktorentwicklung war. Deshalb war die Eignung der amerikanischen Reaktortechnik fĂźr Deutschland insoweit fraglich, zumindest fĂźr den Fall, dass sich Deutschland fĂźr alle Zeiten als Nichtatommacht begriffen hätte. Zudem war die Sicherheitsphilosophie beiderseits des Atlantiks eine andere: In den USA war man sich bewusst, dass Leichtwasserreaktoren eine geringere inhärente Sicherheit boten als andere zu dieser Zeit diskutierte Reaktortypen. Deshalb war es weitgehend Konsens, dass man mit dem Schlimmsten rechnen mĂźsse und Kernkraftwerke dementsprechend vorwiegend in dĂźnnbesiedelten und leicht zu evakuierenden Regionen gebaut werden sollten. In der viel dichter besiedelten Bundesrepublik war dies dagegen nicht mĂśglich, da man sonst kaum Reaktorstandorte hätte ausweisen kĂśnnen. Stattdessen wurde, um einen entsprechenden Sicherheitsabstand vermeiden zu kĂśnnen, Ăźberlegt, Kernkraftwerke unterirdisch zu errichten, was aber von der Atomindustrie vehement abgelehnt wurde. Andere Planungen sahen dagegen dezidiert Kernkraftwerke vor, die nahe den GroĂstädten Ludwigshafen am Rhein bzw. Frankfurt am Main liegen sollten, um die dort ansässige Chemieindustrie mit Prozesswärme zu versorgen; maĂgeblich aus den Ăberlegungen heraus motiviert, die besondere Zuverlässigkeit deutscher Kernkraftwerke zu beweisen.cite-ref-8[8]
In den 1960er Jahren wurden zahlreiche weitere Kernkraftwerke mit deutlich hĂśherer Leistung gebaut. So hatte das 1966 in Betrieb gehende Kernkraftwerk Gundremmingen eine Leistung von 250 MW. 1968 wurde der Erzfrachter âOtto Hahnâ als nuklear betriebenes Forschungsfrachtschiff in Betrieb genommen; nach dem Ende des nuklearen Betriebs 1979 wurde es wieder auf Dieselantrieb umgerĂźstet. In den 1970er Jahren wurde insbesondere nach der ersten Ălpreiskrise 1973/74 der Bau von Kernkraftwerken forciert. Diese Kernreaktoren, wie etwa der Block B des Kernkraftwerks Biblis, leisteten etwa 1,3 GW (= 1300 MW). Im Zuge der Proteste der Anti-Atomkraft-Bewegung gegen den Bau des Kernkraftwerks Wyhl 1975 in Deutschland entstand eine grĂśĂere Opposition gegen die zivile Nutzung der Kernenergie. In Ăsterreich wurde 1978 in einer Volksabstimmung beschlossen, das bereits fertig gebaute Kernkraftwerk Zwentendorf nicht in Betrieb zu nehmen.cite-ref-9[9] Die Kritik an der Kernenergie verstärkte und verschärfte sich insbesondere durch das schwere ReaktorunglĂźck im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (USA) am 28. März 1979, bei dem es erstmals zu einer partiellen Kernschmelze kam.
1983 wurde in Schmehausen der Thorium-Hochtemperaturreaktor (Kernkraftwerk THTR-300) in Betrieb genommen. Dieser Prototyp eines Kugelhaufenreaktors wurde sechs Jahre später nach mehreren technischen StĂśrungen, langen Stillstandsphasen und nur 14 Monaten Volllastbetrieb stillgelegt. Die Stilllegung war notwendig geworden, weil die Anlage 1989 am Rande der Insolvenz stand und keine Einigung Ăźber die Ăbernahme der auch weiterhin zu erwartenden hohen Betriebsverluste erzielt werden konnte. Der THTR wurde in den Sicheren Einschluss ĂźberfĂźhrt. Am 26. April 1986 ereignete sich die Katastrophe von Tschernobyl, bei der nach einer Kernschmelze auch in Westeuropa groĂe Mengen von Radioaktivität niedergingen. In der Folge nahm insbesondere in Europa die Kritik an der Nutzung der Kernenergie deutlich zu. Bis 2005 wurden zwei DDR-Kernkraftwerke (Greifswald (2200 MW) und Rheinsberg (70 MW)) aus Ăśkonomischen GrĂźnden vom Netz genommen.
Die rot-grßne Regierung SchrÜder I beschloss im Juni 2000 den Ausstieg aus der kommerziellen Nutzung der Kernenergie bis etwa 2020.cite-ref-ausstieg-10-0[10] Im Jahr 2010 beschloss die schwarz-gelbe Koalition Kabinett Merkel II eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke um 8 bzw. 14 Jahre. Dieser Beschluss war politisch und gesellschaftlich stark umstritten. Als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe von Fukushima verkßndete die Bundesregierung im März 2011 zunächst ein dreimonatiges Atom-Moratorium. Im Atomkonsens wurde der Ausstieg bis Ende 2022 beschlossen und die acht ältesten Kernreaktoren in Deutschland wurden sofort stillgelegt. Am 15. April 2023 wurde mit der Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke der Atomausstieg in Deutschland vollzogen.
Internationale Perspektive
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Hauptartikel
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Kernenergie nach Ländern
Mit Stand November 2022 waren 423 ReaktorblĂścke mit einer Gesamtleistung von 379,3 GW in 32 Ländern in Betrieb.cite-ref-pris-11-1[11] Weitere 56 ReaktorblĂścke mit einer Gesamtleistung von 57,7 GW befinden sich in Bau.cite-ref-12[12] Dazu sind mehr als 100 Kernkraftwerke fĂźr das kommende Jahrzehnt in Planung.cite-ref-13[13] Da parallel zu den Neubauten bisher auch schon 203 KernkraftwerksblĂścke abgeschaltet wurden,cite-ref-14[14] blieb die Zahl der Reaktoren seit den 1990er Jahren weitgehend konstant.cite-ref-15[15] Durch die weltweit steigende Stromerzeugung sank der Anteil der Kernkraft von 1996 bis 2018 von 17,5 % auf 10,15 %.cite-ref-sp1-16-0[16]cite-ref-wnr-fig3-17-0[17] 2021 erreichte die in Kernkraftwerken erzeugte elektrische Energie ein Rekordhoch von 7018986040000000000â 2739 TWh.cite-ref-2-1-1[1] In der EU decken Kernkraftwerke etwa 25 % der verbrauchten Elektrizität (787 TWh Erzeugung bei 117 GW installierter Leistung).cite-ref-wna-eu-18-0[18] Neben stationären Kernreaktoren gibt es etwa 180 Reaktoren auf ca. 140 Wasserfahrzeugen,cite-ref-19[19] darunter Atom-U-Boote, Flugzeugträger, einige Atomeisbrecher, 4 Frachtschiffe, sowie ein seegestĂźtztes Kernkraftwerk. Es wurden auch bereits Satelliten mit Kernreaktoren betrieben und Reaktorkonzepte fĂźr Flugzeuge erforscht.
Laut dem PRIS (Power Reactor Information System) der IAEA sind die Anzahl der Kernkraftwerke und die installierte Leistung seit 1995 gestiegen.cite-ref-20[20]cite-ref-pris-11-2[11] Im Jahr 2011 waren laut IAEA 65 Reaktoren weltweit im Bau sowie 114 in Planung.cite-ref-21[21] Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wurden zahlreiche Neubaupläne vorßbergehend revidiert. Beispielsweise stoppte China kurzzeitig alle Neubaupläne, steigerte dann aber stetig die jährlich erzeugte Energiemenge von 87 TWh im Jahr 2011 auf 401 TWh im Jahr 2021.cite-ref-22[22]cite-ref-23[23]
In den USA kĂźndigte Präsident Barack Obama den Bau einer âneuen Generation sicherer, sauberer Atomkraftwerkeâ an und bot dafĂźr staatliche Kreditgarantien in HĂśhe von 38,6 Mrd. Euro.cite-ref-24[24] Mit Stand Februar 2020 befinden sich in den USA zwei Atomreaktoren in Bau.cite-ref-25[25] Die Laufzeitverlängerung Ăźber die bilanztechnisch geplante ursprĂźngliche Laufzeit von 40 Jahren hinaus wird bereits in den USA bei einigen Kraftwerken vollzogen und der weltweit älteste in Betrieb befindliche kommerzielle Reaktor (Kernkraftwerk Beznau) nahm in den 1960er Jahren seinen Betrieb auf.
Die damalige franzĂśsische Regierung unter François Fillon bekräftigte 2011, dass die Kernenergie der Grundpfeiler der seit 40 Jahren andauernden Politik der Energieunabhängigkeit bleiben werde.cite-ref-science-26-0[26] Der im Mai 2012 neugewählte Präsident Hollande hat im Wahlkampf mit den (franzĂśsischen) GrĂźnen vereinbart, 24 der 58 franzĂśsischen Reaktoren abschalten zu wollen, tatsächlich wurde während Hollandes Amtszeit nicht ein einziger Reaktor stillgelegt. Die zwei Reaktoren des Kraftwerks Fessenheim wurden 2020 unter seinem Nachfolger Macron endgĂźltig abgeschaltet. Zum Stand 2019 war ein Reaktor (Flamanville 3) in Bau. Die staatliche UmweltbehĂśrde warnte davor, dass der Bau neuer Kernreaktoren in dem Land nicht wirtschaftlich sei. Der staatliche Konzern EdF, der die Reaktoren des Landes betreibt, hat Berichten zufolge Schulden in HĂśhe von ~50 Milliarden Dollar, und muss bis 2030 ~100 Milliarden Euro investieren, um die alten Reaktoren in Betrieb zu halten.cite-ref-dwfrance-27-0[27]cite-ref-francere-28-0[28] Im Februar 2022 kĂźndigte Macron eine âRenaissance der Kernkraftâ an. Dazu sollen bis zu 14 neue Reaktoren gebaut und die Laufzeit sicherer Meiler Ăźber 50 Jahre hinaus verlängert werden.cite-ref-29[29] Im November 2022 bekräftigte er, den Bau neuer Kernkraftwerke zu beschleunigen.cite-ref-30[30]
In China befinden sich mit Stand Februar 2020 10 Kernkraftwerke in Bau, etwa 148 weitere ReaktorblĂścke befinden sich in Planung.cite-ref-31[31] Im März 2011 setzte die Regierung die Genehmigung neuer Kernkraftwerke vorĂźbergehend aus. Bis 2020 war eine Verachtfachung der installierten Leistung auf insgesamt 80 GW vorgesehen, bis Februar 2020 waren es jedoch nur 45,53 GW.cite-ref-32[32] Im Juli 2011 wurde berichtet, dass China wieder auf einen rasanten Ausbau der Kernenergie setzen wĂźrde, die Atomkatastrophe von Fukushima habe daran nicht viel geändert.cite-ref-33[33] Zum Stand 2021 sollen sich 17 Reaktoren im Bau befinden. China hat deutlich weniger Reaktoren gebaut als ursprĂźnglich geplant, der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung lag 2019 bei 5 %,cite-ref-dwfrance-27-1[27] und Beobachter warnten davor, dass neben den Risiken auch die veränderte Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung dazu fĂźhren kĂśnnte, dass neue Kernkraftwerke âin einer Welt, die sich auf billigere, zuverlässigere erneuerbare Energien verlegt, keinen Sinn mehr machenâ.cite-ref-cnnchina-34-0[34]cite-ref-francere-28-1[28]
Deutschland entschied sich bereits unter der Regierung SchrÜder fßr einen Atomausstieg bis etwa 2020/21. Die Regierung Merkel verlängerte zunächst die Laufzeiten, leitete jedoch nach dem Reaktorunfall von Fukushima einen beschleunigten Atomausstieg bis 2021 ein, welcher am 15. April 2023 begonnen wurde.cite-ref-35[35]
In Indien werden mit Stand Februar 2020 sieben Kernkraftwerke gebaut.cite-ref-36[36] 32 Reaktoren und 6 neue Kraftwerke befinden sich in Planung. Es ist vorgesehen, bis 2050 25 % des Elektrizitätsbedarfs durch Kernenergie zu decken.cite-ref-science-26-1[26] Russland betreibt mit Stand Februar 2020 38 Reaktoren und baut 4, 31 befinden sich in Planung.cite-ref-37[37] SĂźdkorea betreibt derzeit 25 Reaktoren an vier Standorten, drei weitere Reaktoren befinden sich im Bau. Präsident Yoon Suk-yeo hat im Juli 2022 Ausstiegspläne seines Vorgängers aus dem Jahr 2017 verworfen.cite-ref-38[38] Langfristig ist geplant, den Anteil der Kernenergie auf 34,6 % zu vergrĂśĂern.cite-ref-world-nuclear-news-2023-39-0[39] Italien hat nach einem Volksentscheid im Juni 2011, in dem sich 95 % der BĂźrger gegen den Wiedereinstieg entschieden, den von der Regierung Berlusconi geplanten Wiedereinstieg ad acta gelegt.cite-ref-40[40] Tschechien plant seinen Anteil an Kernenergie an der Stromerzeugung von 30 % schrittweise auf 58 % zu erhĂśhen. Hierzu wurde 2019 beschlossen, am Standort Dukovalbny einen leistungsstarken Reaktor zu errichten, der um das Jahr 2035 bis dahin ausgediente Einheiten ersetzen kann. Danach sollen neue Kapazitäten am Standort TemelĂn entstehen. Die Regierung will damit ihre Energieunabhängigkeit sichern und erwartet einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz.cite-ref-41[41] In Japan gingen bis zum 5. Mai 2011 sukzessive alle Reaktoren aus WartungsgrĂźnden vom Netz. FĂźr die Wiederanfahr-Erlaubnis sind die lokalen Parlamente zuständig, die lange alle Anträge abschlägig beschieden haben. Mitte September 2012, eineinhalb Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, beschloss die japanische Regierung den schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie bis spätestens 2040.cite-ref-42[42] Die Regierung von Shinzo Abe hat diesen Ausstieg allerdings wieder rĂźckgängig gemacht.cite-ref-ntv-43-0[43] Das Kernkraftwerk Sendai wurde am 10. August 2015 als erstes Kernkraftwerk nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima wieder angefahren. FĂźr weitere 25 Reaktoren liefen Anträge auf Wiederzulassung. Nach dem Abschalten der Kernkraftwerke sind die Strompreise um 20 bis 30 % gestiegen; Japan musste im Jahr fossile Brennstoffe fĂźr geschätzte 26 Mrd. ⏠zusätzlich importieren.cite-ref-faz-44-0[44] Bis 2019 gingen 8 Reaktoren wieder ans Netz, 21 wurden endgĂźltig abgeschaltet und 25 weitere waren inaktiv. Bis 2022 haben insgesamt 17 Reaktoren die verschärften SicherheitsĂźberprĂźfungen bestanden und sollen laut Regierung mĂśglichst bald wieder ans Netz gehen. Im August 2022 leitete die Regierung unter Fumio Kishida einen deutlichen Kurswechsel hin zur Kernenergie ein. Existierende Meiler sollen 60 Jahre lang laufen dĂźrfen, und zusätzlich neu entwickelte Kraftwerke gebaut werden.cite-ref-45[45]
Technische Aspekte
FĂźr die Nutzung der Kernenergie werden nicht nur Kernkraftwerke benĂśtigt, sondern auch Bergwerke zur FĂśrderung von Uranerz, Anlagen zur Uran-Anreicherung, um das Erz in Kernbrennstoff zu verwandeln, Zwischenlager zur sicheren Aufbewahrung von abgebrannten Brennstäben, kernchemische Anlagen, um den anfallenden radioaktiven Abfall zur langfristigen Lagerung herzurichten und schlieĂlich Endlager, in denen der radioaktive Abfall aufbewahrt wird, bis er durch radioaktiven Zerfall ungefährlich geworden ist. Wenn die noch nicht gespaltenen Anteile des Urans und neu entstandene spaltbare Elemente in abgebrannten Brennstäben zur weiteren Erzeugung von elektrischer Energie in Kernkraftwerken verwendet werden sollen, kommen zusätzlich Wiederaufarbeitungsanlagen zum Einsatz.
Kernspaltung
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Hauptartikel
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Kernspaltung
Bei der induzierten Kernspaltung zerfällt ein Atomkern eines Uran- oder Plutonium-Isotops, nachdem er ein Neutron absorbiert hat, in (meist) zwei leichtere Kerne (die Spaltfragmente). Die frei werdende Energie stammt aus der Differenz an Bindungsenergie der Spaltfragmente gegenĂźber dem Ursprungskern und wird in Form von kinetischer Energie der Spaltfragmente und als Gammastrahlung freigesetzt. EinschlieĂlich der Energie, die beim nachträglichen radioaktiven Zerfall der Spaltfragmente noch frei wird, ergeben sich pro Spaltung etwa 200 MeV, also knapp 1 MeV pro Nukleon. AuĂer den Spaltprodukten werden bei der Spaltung auch 2â3 prompte Neutronen freigesetzt. Diese kĂśnnen weitere Kernspaltungen bewirken und fĂźhren so zu einer Kettenreaktion. Die nach der Spaltung aus den Spaltfragmenten noch abgegebenen verzĂśgerten Neutronen ermĂśglichen es, die Kettenreaktion in einem Kernreaktor technisch zu steuern (siehe Kritikalität).
Der Energieausbeute von rund 200 MeV pro Spaltung entspricht eine thermische Energie von etwa 0,96 MWd (Megawatt-Tagen) pro Gramm Uran-235 oder Plutonium-239. Die gleiche thermische Energie kann durch Verbrennen von 2,8 t Steinkohle, 10 t Braunkohle oder 1,9 t leichtem HeizĂśl gewonnen werden.cite-ref-46[46]
Kernkraftwerk
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Hauptartikel
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Kernkraftwerk
Kernkraftwerke wandeln die Energie aus Kernspaltung in Wärmeenergie und diese in elektrische Energie um. Kernkraftwerke fßhren gesteuerte Kettenreaktionen von Kernspaltungen in Kernreaktoren durch. Mit der bei diesem Prozess freiwerdenden Hitze wird Wasserdampf produziert, der auf Turbinen geleitet wird, die Generatoren antreiben und dabei elektrischen Strom produzieren. Weiterhin sind im militärischen Bereich einige Flugzeugträger, Atom-U-Boote und wenige Atomkreuzer mit Kernenergieantrieb ausgestattet; im zivilen Bereich hat sich dieser Antrieb lediglich fßr Atomeisbrecher durchgesetzt (siehe auch: Liste ziviler Schiffe mit Nuklearantrieb).
Sicherheit
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Hauptartikel
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Reaktorsicherheit
Die Sicherheit von Kernkraftwerken spielt eine immer grĂśĂer gewordene Rolle, besonders infolge der Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima, bei denen die Kettenreaktion bzw. die Nachwärmeproduktion auĂer Kontrolle gerieten. Die immer schärferen Sicherheitsvorschriften fĂźhrten zu vielen zusätzlichen SicherheitsmaĂnahmen, und damit auch zu erhĂśhten Betriebskosten.cite-ref-1-47-0[47] Letztendlich zählt die Kernspaltung jedoch zu den sichersten Energieträgern bezĂźglich Todesfällen in der Vergangenheit. Mit 0,07 Toden pro erzeugter TWh Strom (Tode/TWh) bewegt sie sich in der gleichen GrĂśĂenordnung wie Wind- und Solarstromerzeugung. Zum Vergleich: Die Zahlen der verursachten Tode/TWh fĂźr Stromerzeugung aus Erd- (2,8 Tode/TWh) und Biogas (4,6 Tode/TWh) sind 2 GrĂśĂenordnungen hĂśher. Die fĂźr Kohle (24,6 Tode/TWh) und Ăl (18,4 Tode/TWh) eine weitere GrĂśĂenordnung.cite-ref-0-48-0[48]
Wie alle Arten der Energieerzeugung wird auch die Kernenergie zunehmend von der globalen Erwärmung beeinträchtigt. Ereignisse wie Hitze, StĂźrme und DĂźrren stellen eine wachsende Bedrohung dar. HĂśhere Temperaturen beeinträchtigen die KĂźhlung, während StĂźrme, insbesondere tropische WirbelstĂźrme, zu Abschaltungen oder eingeschränkten Betriebsabläufen fĂźhren kĂśnnen. Auch ungewĂśhnlich groĂe Quallenpopulationen infolge der Erwärmung des Wassers fĂźhrten bereits zu verstopften KĂźhlansaugrohren.cite-ref-49[49]cite-ref-weather1-50-0[50] In einer Untersuchung von 2008 stellte die Gesellschaft fĂźr Reaktorsicherheit (GRS) fest, dass Extremwetterereignisse zu teilweisen oder vollständigen Ausfällen von Sicherheitssystemen fĂźhren kĂśnnen. Auf Grundlage der prognostizierten Klimaveränderungen fĂźr Mitteleuropa gelangte die GRS dennoch zu dem Schluss, dass âim Laufe der kommenden Jahrzehnte [âŚ] keine nennenswerte Zunahme der Gefährdung der deutschen Kernkraftwerke durch extreme Wetterereignisse und Witterungsbedingungen zu erwartenâ sei.cite-ref-51[51]
Brennstoffkreislauf
â
Hauptartikel
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Brennstoffkreislauf
und
Uranwirtschaft
Der nukleare Brennstoffkreislauf umfasst mehrere Phasen, beginnend mit der Gewinnung von Uran bis hin zur Entsorgung des verbrauchten Brennstoffs. Zunächst wird Uranerz abgebaut und zu Yellowcake verarbeitet. Danach wird dieses in Uranhexafluorid umgewandelt und angereichert, um den Anteil an spaltbarem Uran-235 zu erhÜhen. Mit dem angereicherten Uran werden dann Brennelemente hergestellt, die in Kernreaktoren eingesetzt werden, wo durch die Spaltung von Uran-235 Wärme zur Stromerzeugung entsteht. Nach der Nutzung im Reaktor wird der verbrauchte Brennstoff entweder wiederaufgearbeitet, um wiederverwendbare Materialien zurßckzugewinnen, was als geschlossener Brennstoffkreislauf bezeichnet wird, oder direkt zwischengelagert bzw. endgelagert, was als offener Brennstoffkreislauf bezeichnet wird.cite-ref-54[54]
Gewinnung und Reichweite der Brennstoffe
â
Hauptartikel
:
Uranbergbau
| Preisklasse | gesichert | vermutet | total | Reichweite |
|---|---|---|---|---|
| $/kg Natururan | kt | kt | kt | Jahre |
| <40 | 507 | 176 | 683 | 11 |
| 0 40â80 | 1.212 | 745 | 1.957 | 31 |
| 0 80â130 | 3.699 | 2.204 | 5.902 | 95 |
| 130â260 | 4.587 | 3.048 | 7.635 | 123 |
| gesamt: | gesamt: | gesamt: | 16.178 | 261 |
2020 wurden 20 % des in der EU genutzten natĂźrlichen Urans aus Russland importiert. Ebenfalls 20 % wurden aus der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan importiert.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57] Andere groĂe Produzenten von Uran sind die Vereinigten Staaten von Amerika (wobei die USA aufgrund der relativ groĂen Reaktorflotte Nettoimporteur sind), Kanada, Australien und einige ehemalige franzĂśsische Kolonien in Afrika.
Ăhnlich wie bei den fossilen Brennstoffen sind die Vorräte an Kernbrennstoffen auf der Erde begrenzt. Die Tabelle gibt einen Ăberblick Ăźber die bekannten abbaubaren Uranreserven und verwendet den derzeitigen Verbrauch von knapp 62.000 tU/Jahr.cite-ref-redbook-55-1[55] Zurzeit (7/2016) liegt der Uranpreis bei etwa 60 $/kg.cite-ref-58[58] Da das Uran nur einen Bruchteil in der WertschĂśpfungskette der Kernenergie ausmacht (lt. Info-Brief der 'Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages' etwa 5 %cite-ref-59[59]) wĂźrde aber selbst eine Vervielfachung des Uranpreises die Gesamtkosten und damit den Strompreis nur gering beeinflussen. In Meerwasser ist Uran in zwar geringer Konzentration (etwa 3 Mikrogramm pro Liter = 3 ppb) aber insgesamt â aufgrund der GrĂśĂe der Ozeane â hohen Mengen vorhanden. Dazu kommt, dass durch den Eintrag von uranhaltigen Flusswasser bzw. der LĂśsung von Uran aus der ozeanischen Erdkruste dieses Vorkommen sich in gewissen Grenzen âregeneriertâ. Trotz verschiedener Versuche im LabormaĂstab, die die prinzipielle Machbarkeit belegen konnten, ist jedoch die Extraktion von Uran aus Meerwasser zu gegenwärtigen Preisen nicht wirtschaftlich.cite-ref-60[60]cite-ref-61[61]cite-ref-62[62] Weitere unkonventionelle Uranvorkommen umfassen beispielsweise Granit, das Uran in unterschiedlichen Konzentrationen enthält; auch der Chattanooga-Schiefer in den USA weist erhebliche Urananteile auf. In Phosphaten, die durch Bergbau fĂźr die Verwendung als DĂźngemittel gewonnen werden, ist ebenfalls Uran enthalten, mit geschätzten Gesamtressourcen von bis zu 22 Millionen Tonnen. In den USA wurde Uran frĂźher als Nebenprodukt der DĂźngemittelproduktion gewonnen. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben die USA und Russland zudem hochangereichertes Uran aus Waffenbeständen fĂźr zivile Zwecke freigegeben.cite-ref-64[63.1] Die Extraktion von Uran aus der Asche von Kohlekraftwerken ist zwar theoretisch machbar, wird aber aufgrund der zu erwartenden geringen Mengen wahrscheinlich keine wesentliche Bedeutung haben.cite-ref-65[64]
Eine Analyse ergab, dass die Uranpreise zwischen 2035 und 2100 um zwei GrĂśĂenordnungen steigen kĂśnnten und dass es gegen Ende des Jahrhunderts zu einem Mangel kommen kĂśnnte.cite-ref-66[65] Eine Studie von Forschern des MIT und des WHOI aus dem Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass âbei der derzeitigen Verbrauchsrate die weltweiten konventionellen Reserven an terrestrischem Uran (etwa 7,6 Millionen Tonnen) in etwas mehr als einem Jahrhundert erschĂśpft sein kĂśnntenâ.cite-ref-67[66] Der begrenzte Vorrat an Uran-235 kann bei der derzeitigen Kerntechnik wesentliche Expansionszenarien verhindern.cite-ref-sol1-68-0[67] Gleichzeitig werden verschiedene MĂśglichkeiten zur Verringerung der Abhängigkeit von solchen Ressourcen erforscht,cite-ref-69[68]cite-ref-70[69]cite-ref-71[70] wobei davon ausgegangen wird, dass neue Nukleartechnologien nicht rechtzeitig zur VerfĂźgung stehen, um beim Klimaschutz eine signifikante (oder vorteilhafte) Rolle spielen zu kĂśnnen oder mit den Alternativen der erneuerbaren Energien konkurrieren zu kĂśnnen, teurer sind als diese und kostspielige Forschung und Entwicklung erfordern.cite-ref-sol1-68-1[67]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-0[71]cite-ref-mil1-73-0[72] Eine Studie schlussfolgert, dass es ungewiss ist, ob die identifizierten Ressourcen schnell genug erschlossen werden, um eine ununterbrochene Brennstoffversorgung fĂźr neue Kernkraftwerke zu gewährleisten.cite-ref-74[73] Verschiedene Formen des Bergbaus kĂśnnen durch Ăśkologische Hindernisse, Kosten und Flächenbedarf beeinträchtigt werden.cite-ref-75[74]cite-ref-76[75] Forscher berichten auch von erheblichen Importabhängigkeiten der Kernenergie.cite-ref-77[76]cite-ref-10-1016-j-enpol-2018-12-024-78-0[77]cite-ref-10-1016-j-anucene-2017-08-019-79-0[78]cite-ref-10-1002-ente-201600444-80-0[79]
Thorium ist in der Erdkruste etwa dreimal häufiger vorhanden als Uran. Von verschiedener Seite wird die Nutzung von Thorium (Th232) als Kernbrennstoff vorgeschlagen. Allerdings ist Thorium nicht spaltbar, es muss zunächst in einem Brutvorgang in spaltbares U233 umgewandelt werden. Die Gewinnung von Thorium ist teuer, was sich ändern kĂśnnte, wenn es eine hĂśhere Nachfrage nach Thorium gäbe. Zudem sind Forschung und Entwicklung von entsprechenden Reaktoren kostenintensiv, da es vergleichsweise wenig Erfahrung auf diesem Gebiet gibt. Der Brennstoff erfordert darĂźber hinaus aufwendigere Herstellungsprozesse, da bei Thorium stark gamma-strahlende Zerfallsprodukte entstehen. AuĂerdem ist die Wiederaufbereitung von verbrauchtem Thorium-Brennstoff schwierig.cite-ref-81[80]
Urananreicherung
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Hauptartikel
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Urananreicherung
Das Erz wird nach dem Abbau gemahlen und das Uran chemisch â Ăźblicherweise als Triuranoctoxid (U3O8) â extrahiert. AnschlieĂend wird das U3O8 in gasfĂśrmiges Uranhexafluorid (UF6) umgewandelt. Während in Schwerwasserreaktoren und in Brutreaktoren Uran mit der natĂźrlichen Isotopenverteilung von 99,3 % 238U zu 0,7 % 235U verwendet werden kann, benĂśtigen die weitverbreiteten Leichtwasserreaktoren angereichertes Uran mit einem Anteil von bis zu etwa 6 % 235U. Die Anreicherung von 235U erfolgt Ăźblicherweise mittels Gasdiffusion oder Ultrazentrifugen von Uranhexafluorid. Das an U-235 angereicherte Uran wird dann als Urandioxid, eventuell zusammen mit Plutoniumdioxid als Mischoxid, zu Brennstäben verarbeitet. Mehrere Brennstäbe werden dann zu Brennelementen zusammengefasst.
Zwischenlagerung
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Hauptartikel
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Zwischenlager
Bei der Kernspaltung entstehen viele verschiedene radioaktive Isotope, daher strahlen verbrauchte Brennelemente stark; ihr Material darf nicht in die Umwelt gelangen. Direkt nach dem Einsatz ist die Strahlung so stark, dass eine weitere Verarbeitung nicht mÜglich ist. Die Brennelemente werden aus diesem Grund fßr einige Monate oder Jahre im Zwischenlager des Kernkraftwerks in einem Abklingbecken gelagert, nach dieser Zeit sind kurzlebige Isotope weitgehend zerfallen. Es verbleiben jedoch langlebige Isotope, wodurch die Brennelemente weiterhin hoch radioaktiv sind und auch laufend Wärme produzieren. Ein Teil dieser Isotope ist spaltbar und lässt sich nach chemischer Abtrennung im Prinzip als Kernbrennstoff verwenden. Der Rest muss gelagert werden, bis er durch radioaktiven Zerfall unschädlich geworden ist.cite-ref-82[81]
FĂźr den Abtransport und die Lagerung der Brennelemente auĂerhalb des Abklingbeckens verwendet man spezielle Transportbehälter, beispielsweise Castor-Behälter. Abgebrannte, nicht wiederaufgearbeitete Brennelemente und radioaktiver Abfall aus Wiederaufarbeitungsanlagen werden in Lagerungsbehältern in Zwischenlagern so lange gelagert, bis die Wärmeentwicklung so weit abgeklungen ist, dass eine Endlagerung mĂśglich ist. Dies dauert einige Jahrzehnte.
Wiederaufarbeitung
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Hauptartikel
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Wiederaufarbeitung
Unter der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen versteht man ein technisches Verfahren, bei dem spaltbares Material aus abgebrannten Brennelementen zurĂźckgewonnen wird, während nicht wiederverwertbare Bestandteile entfernt werden. Dieses Verfahren ist ein zentraler Bestandteil des nuklearen Brennstoffkreislaufs und dient der RĂźckgewinnung von spaltbarem Material fĂźr neue Brennelemente oder der Herstellung von waffenfähigem Plutonium. Die zivile Nutzung der Wiederaufarbeitung dient der wirtschaftlichen Nutzung von Ressourcen und der Reduzierung von Abfallmengen. Durch die Wiederaufarbeitung kĂśnnen bis zu 30 % des natĂźrlich vorkommenden Urans eingespart werden. Technisch gliedert sich der Prozess in mehrere Schritte, darunter die Zerkleinerung der Brennelemente, AuflĂśsung des Brennstoffs und die Extraktion von Uran und Plutonium. Die erzeugten Abfälle werden behandelt und verglast, während der zurĂźckgewonnene Brennstoff als Mischoxid-Brennelement in Reaktoren verwendet wird. Weltweit verarbeiten Stand 2013 Ăźber 10 grĂśĂere Wiederaufarbeitungsanlagen etwa 4.000 bis 5.000 Tonnen Schwermetall pro Jahr. Die erste kommerzielle Anlage in West Valley, USA, hatte einen Durchsatz von 40 kg pro Tag, während moderne Anlagen mehr als 5 Tonnen pro Tag verarbeiten kĂśnnen. Bedeutende Anlagen in Europa sind Sellafield in GroĂbritannien und La Hague in Frankreich, die seit 1951 bzw. 1966 in Betrieb.cite-ref-83[63.2]
In Deutschland war eine Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf in Bau, wurde aber aus finanziellen GrĂźnden und aufgrund des starken Widerstands aus der BevĂślkerung nicht fertiggestellt.cite-ref-lk-84-0[82]
Die Nachteile der Wiederaufarbeitung sind, dass sie kostspielig ist, die Abfallmenge nur minimal verringert und das Risiko erhĂśht, dass das in den abgebrannten Brennelementen enthaltene Plutonium zur Herstellung von Kernwaffen genutzt werden kann.cite-ref-85[83]
Eine MÜglichkeit zur Umwandlung langlebiger radioaktiver Abfälle besteht in der Transmutation dieser Abfälle in Isotopecite-ref-86[84], die entweder stabil sind oder deren Radioaktivität in wenigen hundert Jahren auf ein unschädliches Maà abgeklungen ist.cite-ref-87[85] Diese Anlagen sind zurzeit in der Forschung und Entwicklung und werden auf europäischer Ebene durch das Eurotrans-Projekt gefÜrdert. Technisch bestehen diese Anlagen aus einem Protonenbeschleunigersystem und einem Target, in dem schnelle Neutronen erzeugt werden. Einige der problematischen Isotope kÜnnen durch den Beschuss mit schnellen Neutronen in unproblematischere Isotope umgewandelt werden. Allerdings erfordert die Transmutation mehrfache, komplexe Wiederaufarbeitung. Die erste Versuchsanlage soll 2020 im Rahmen des Myrrha-Projektscite-ref-88[86] in Belgien entstehen.
Endlagerung
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Hauptartikel
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Endlager
Der radioaktive Abfall eines Kernkraftwerks strahlt auch nach Jahrzehnten noch stark. Hochradioaktiver Abfall (High Active Waste) ist erst nach einigen Tausend bis einigen Hunderttausend Jahren (je nachdem, was man als ungefährlich einstuft) ausreichend abgeklungen. Zudem sind einige darin enthaltene Elemente auch chemisch sehr giftig. Deshalb muss radioaktiver Abfall in einem Endlager so gelagert werden, dass er von der Biosphäre dauerhaft ferngehalten wird. Hochradioaktiver Abfall muss zuvor soweit abgeklungen sein, dass die Zerfallswärme nicht mehr zur Schwächung des Aufbewahrungsbehälters (z. B. durch Korrosion) fĂźhren kann. Dies erfolgt in Zwischenlagern, die als Trocken- oder Nasslager ausgefĂźhrt werden kĂśnnen. In Deutschland ist die Trockenlagerung Ăźblich, die stählernen Aufbewahrungsbehälter â zum Beispiel Castoren â werden stehend gelagert und haben KĂźhlrippen.
Die Entsorgung und das Management der groĂen Vielfaltcite-ref-89[87] an radioaktiven Abfällen, von denen es 2018 mehr als eine Viertelmillion Tonnen gibt, kĂśnnen weltweit verteilt Ăźber Hunderttausende von Jahren hinwegâmĂśglicherweise Ăźber eine Million Jahreâcite-ref-spektr-90-0[88]cite-ref-91[89]cite-ref-92[90] oder innerhalb dieser Zeitspannen Schäden und Kosten verursachen.cite-ref-93[91]cite-ref-94[92]cite-ref-95[93] MĂśgliche Probleme umfassen etwa Lecks,cite-ref-96[94] ungewĂźnschte RĂźckholung (z. B. durch Dritte), Anfälligkeit fĂźr Angriffe (einschlieĂlich entsprechender Wiederaufbereitungs-cite-ref-civlib-97-0[95]cite-ref-repr-98-0[96] und Kernkraftanlagen), Grundwasserkontamination, Strahlung und Lecks an die Oberfläche, Soleleckagen oder bakterielle Korrosion.cite-ref-99[97]cite-ref-spektr-90-1[88]cite-ref-100[98]cite-ref-statusreport-101-0[99]
2015 erteilte die finnische Regierung die Baugenehmigung fĂźr das weltweit erste Endlager fĂźr hochradioaktiven Abfall, das Endlager Onkalo in Olkiluoto, mit der Einlagerung sollte 2020 begonnen werden. Im Jahr 2021 wurde ein Betriebsbeginn Mitte der 2020er Jahre prognostiziert.cite-ref-102[100]
Die Endlagersuche in Deutschland nimmt mehr Zeit in Anspruch als zunächst angenommen. Laut der Bundesgesellschaft fßr Endlagerung (BGE) kÜnnte die Entscheidung fßr einen Standort erst zwischen 2046 und 2068 fallen, statt wie ursprßnglich geplant 2031.cite-ref-103[101]
RĂźckbau eines Kernkraftwerks
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Hauptartikel
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Stilllegung kerntechnischer Anlagen
Am Ende der Laufzeit eines Kernkraftwerks nach etwa 40â60 Jahren erfolgen die Stilllegung und der RĂźckbau. So sollen laut World Nuclear Association von 2022 bis 2040 etwa 123 Reaktoren altersbedingt stillgelegt werden.cite-ref-104[102] Die Kosten fĂźr den RĂźckbau eines Kraftwerks betragen je nach Reaktortyp 0,5 bis eine Milliarde Euro, was etwa der verkauften Strommenge eines Jahres entspricht.cite-ref-105[103] Der Aufwand ist hĂśher als bei anderen Kraftwerkstypen, weil 1â3 % der Bauteile (hauptsächlich der Reaktordruckbehälter) radioaktiv sind, getrennt und entsprechend ihrer Halbwertszeit gelagert werden mĂźssen.cite-ref-106[104]
Wirtschaftlichkeit
Die Wirtschaftlichkeit der Kernspaltungsenergie ist sowohl im fachlichen wie auch im Ăśffentlichen Diskurs umstritten. Während abgeschriebene Kernkraftwerke als gĂźnstig gelten, ist die Wirtschaftlichkeit neu gebauter Anlagen fraglich, weshalb diesbezĂźgliche Kostenangaben mit groĂer Unsicherheit behaftet sind.cite-ref-108[106] Nach Konstantin betragen beispielsweise die Produktionskosten eines vollständig abgeschriebenen Kernkraftwerks der 1,3-GW-Klasse 2,18 Cent pro Kilowattstunde,cite-ref-109[107] während in einer Studie des Ăko-Instituts, das aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgegangen ist, von Betriebskosten in HĂśhe von 1,7 Cent pro Kilowattstunde ausgegangen wird.cite-ref-110[108] Bei neugebauten Kernkraftwerken in Deutschland werden laut dem Bundesministerium fĂźr Wirtschaft und Klimaschutz Gestehungskosten zwischen 14 und 19 Cent pro Kilowattstunde erwartet. Das Forum Ăkologisch-Soziale Marktwirtschaft gibt in einer Studie fĂźr Greenpeace Energy an, dass die gesamtgesellschaftlichen Kosten in Deutschland im Jahr 2021 zwischen 26 und 38 Cent pro Kilowattstunde lagen.cite-ref-111[109]
Allerdings geraten auch abgeschriebene Kernkraftwerke in Märkten, in denen die Strompreise infolge aktueller wirtschaftlicher Entwicklungen wie des Schiefergasbooms in den USA sowie des Ausbaus von erneuerbaren Energien in vielen Staaten der Welt gefallen sind, wirtschaftlich unter Druck. In den USA wurden deshalb in den letzten Jahren mehrere Kernkraftwerke lange vor ihrem genehmigten Laufzeitende auĂer Betrieb genommen.cite-ref-112[110]cite-ref-113[111] In Deutschland und der Schweiz legen die durch den Kernenergieausstieg veranlassten Sonderabschreibungen und Wertberichtigungen in MilliardenhĂśhecite-ref-114[112]cite-ref-115[113] und resultierende Unternehmensverluste vorher profitabler Unternehmen ebenfalls in MilliardenhĂśhe nahe, dass von den stillgelegten Kernkraftwerken bei Weiterbetrieb hohe Ergebnisbeträge erwartet wurden.cite-ref-116[114]
Bei Neubauten sorgen neben eventuellen steigenden Investitionskosten insbesondere die ebenfalls zu berĂźcksichtigenden wirtschaftlichen Risiken sowie externe Kosten fĂźr groĂe Unsicherheit. Diese sind nur bedingt abschätzbar, beeinflussen die Wirtschaftlichkeit aber erheblich.cite-ref-117[115] Zudem ergeben sich aufgrund der hohen Investitionskosten sehr lange Refinanzierungszeiträume von Ăźber 30 Jahren nach Inbetriebnahme (zuzĂźglich Planungs- und Bauzeit), in denen die Betreiber gerade in liberalisierten Märkten mit den dort herrschenden schwer prognostizierbaren ErlĂśsen einem hohen Investitionsrisiko unterliegen.cite-ref-von-wegen-renaissance-118-0[116] Schon 2009 kam eine Studie der Citibank zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Risiken fĂźr den Bau neuer Kernkraftwerke im Vereinigten KĂśnigreich fĂźr private Investoren ohne staatliche UnterstĂźtzung unannehmbar hoch seien.cite-ref-119[117] In einigen Staaten werden deshalb geplante Kraftwerksprojekte aufgeschoben oder aufgehoben,cite-ref-120[118]cite-ref-121[119] während in anderen Staaten wie beispielsweise den USA oder GroĂbritannien Subventionen gewährt werden, um den Bau von Kraftwerken wirtschaftlich zu machen.cite-ref-122[120]cite-ref-illinois-123-0[121]cite-ref-francere-28-2[28]
Zu häufig ßbersehenen Kosten gehÜren, neben Mßllmanagement und Kosten bei Unfällen, die Kosten fßr die laufende Forschung und Entwicklung, die teure Wiederaufbereitung in den Fällen, in denen eine solche trotz des Aufwands praktiziert wirdcite-ref-repr-98-1[96]cite-ref-future1-124-0[122]cite-ref-pluto-125-0[123] und die Stilllegung.cite-ref-126[124]cite-ref-127[125]cite-ref-10-1016-j-rser-2021-110836-128-0[126]
Stromgestehungskosten und Wettbewerbsfähigkeit
Die Stromgestehungskosten ergeben sich bei der Kernenergienutzung vor allem aus den verglichen mit anderen Kraftwerken hohen Kosten fĂźr ihren Bau sowie den Finanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt. Bei neuen Reaktoren des Typs EPR wird der Anteil der Investitionskosten an den Stromgestehungskosten auf etwa 65 % geschätzt, während Brennstoffkosten nur etwa 12 % ausmachen.cite-ref-129[127] Kernkraftwerke sind daher teuer im Bau, gĂźnstig zu betreiben und teuer im RĂźckbau.cite-ref-130[128] Konstantin schätzte 2009 die spezifischen Investitionskosten fĂźr Kernkraftwerke als mehr als doppelt so hoch ein wie die groĂer Braunkohlekraftwerke.cite-ref-131[129]
Bis 2014 sind die Investitionskosten der in Bau befindlichen EPR gegenĂźber den ursprĂźnglichen Planungen deutlich angestiegen: Sowohl beim Reaktor Olkiluoto 3 in Finnland als auch beim franzĂśsischen Flamanville-3 kam es zu massiven Ăberschreitungen der ursprĂźnglich geplanten Baukosten sowie zu VerzĂśgerungen im Bauablauf von bis zu Ăźber 9 Jahren.cite-ref-132[130] Wurden ursprĂźnglich Baukosten von 3 bzw. 3,3 Mrd. Euro angestrebt, lagen diese mit Stand 2012 bei jeweils 8,5 Mrd., wodurch sich Investitionskosten von etwa 5300 Euro/kW ergeben.cite-ref-133[131]cite-ref-134[132] FĂźr zwei weitere KernkraftwerksblĂścke dieses Typs in GroĂbritannien wird mit einer Investitionssumme von zusammen umgerechnet knapp 19 Mrd. Euro kalkuliert,cite-ref-135[133] was bei einer kombinierten Nennleistung von 3200 MW einer Investitionssumme von knapp 6000 Euro pro kW entspricht. Um das Projekt dennoch wirtschaftlich zu machen, wird eine auf 35 Jahre garantierte EinspeisevergĂźtung von 92,50 Pfund/MWh (umgerechnet 11 Ct/kWhcite-ref-136[134]) zzgl. Inflationsausgleich berechnet. Das liegt unterhalb der EinspeisevergĂźtung fĂźr groĂe Photovoltaik- und Offshore-Windkraftanlagen in GroĂbritannien, jedoch oberhalb der von Onshore-Windkraftanlagen.cite-ref-137[135] Damit liegt die EinspeisevergĂźtung doppelt so hoch wie der aktuelle Marktpreis. Zugleich bĂźrgt der Staat zu 65 Prozent fĂźr die Baukosten.cite-ref-carsten-volkery-2013-138-0[136]
Da weltweit unterschiedliche Reaktortypen verschiedener Hersteller mit uneinheitlichen Sicherheitsstandards errichtet werden, mßssen die Kosten des EPR nicht notwendigerweise repräsentativ fßr alle derzeit in Bau befindlichen Kernkraftwerke sein. Bei dem in den USA in Bau befindlichen Kernkraftwerk Vogtle, bei dem zwei Reaktoren des Typs Westinghouse AP 1000 mit jeweils circa 1100 MW Leistung zum Einsatz kommen sollen, ging man Anfang 2012 zunächst von einer Investitionssumme von 14 Milliarden Dollar (10,5 Milliarden Euro) fßr zwei Reaktoren aus, was 4800 Euro/kW entspricht.cite-ref-139[137] Im Februar 2014, wenige Monate nach Baubeginn, waren die Baukosten auf 15,5 Mrd. Dollar gestiegen, die ursprßnglich geplanten Fertigstellungstermine 2016 und 2017 wurden jeweils um zwei Jahre nach hinten verschoben.cite-ref-140[138] Die Baukosten der BlÜcke 3 und 4 des slowakischen Kernkraftwerks Mochovce, in welchem der russische Typ WWER-440/213 mit einer Nennleistung von 405 MW eingesetzt wird, werden hingegen mit 3,8 Mrd. Euro angegeben,cite-ref-141[139] was einer Investitionssumme von etwa 4700 Euro/kW entspricht. In Staaten mit niedrigerer Kaufkraft kÜnnen die Werte niedriger liegen. So soll z. B. in China der Bau von acht AP1000 zusammen 24 Mrd. US-Dollar kosten,cite-ref-142[140] d. h. circa 2000 Euro/kW bei einem Wechselkurs von 1,35 zu 1.
Infolge dieser Preissteigerungen bei diversen Kraftwerksprojekten wird die betriebswirtschaftliche Rentabilität der Kernenergie daher bereits seit einigen Jahren insbesondere in liberalisierten Märkten infrage gestellt und mehrere Kraftwerksprojekte beendet. Der Neubau von Kernkraftwerken beschränkt sich aktuell daher weitestgehend auf Staaten, in denen staatliche Betreiber das Risiko der Projekte tragen.cite-ref-von-wegen-renaissance-118-1[116] Nach Neles und Pistner werden aktuell neue Kernkraftwerke nur dort realisiert, in denen bestimmte Bedingungen erfßllt sind. Diese sind:
⢠die Zahlung staatlicher Gelder wie beispielsweise in den USA
Frank UekÜtter verwies im Jahr 2012 darauf, dass ein weiterer Zubau der Kernenergie vor allem in autoritär gefßhrten Staaten stattfinde, wo die Gesetze des Marktes nicht zum Tragen kommen und zudem die Mitbestimmung der BevÜlkerung gering ist.cite-ref-144[142]cite-ref-145[143]
Die relative Wettbewerbsfähigkeit der Kernenergie ist schwer zu bestimmen, da kaum valide Vergleichsdaten vorliegen und auch historische Daten kein klares Bild vermitteln. Dazu kommt, dass die Kernenergie weltweit in allen Nutzerländern von staatlicher Seite sehr umfangreich gefĂśrdert wurde,cite-ref-neles-216-143-1[141]cite-ref-faz-renaissance-146-0[144] diese Subventionen flossen auf verschiedenen Wegen und waren teilweise in technischen Details versteckt, wobei nach UekĂśtter insbesondere die Vermischung mit der militärischen Nutzung der Kernenergie wichtig war. Es sei jedoch sicher, dass die Kernenergienutzung ohne die massiven staatlichen Hilfen âkeine Chanceâ gehabt habe.cite-ref-uek-tter-279-147-0[145]
Herrschte in den 1950ern und 1960er Jahren in bestimmten Kreisen eine wahre Atomeuphorie, so kippte diese Stimmung in den 1970er Jahren, als sich zeigte, dass die Wirtschaftlichkeit der realisierten Kernkraftwerke deutlich schlechter war als man bis dahin geglaubt hatte.cite-ref-148[146] In Europa ging deshalb nach einem Boom in den 1960er und 1970er Jahren der Bau von Kernkraftwerken zurĂźck und ebbte anschlieĂend in den frĂźhen 1980er Jahren gänzlich ab. Ursächlich fĂźr diesen praktisch europaweiten Baustopp waren nach UekĂśtter maĂgeblich Ăśkonomische Erwägungen, während die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl kaum einen Einfluss auf die Nuklearprogramme der Staaten hatte, zu diesem Zeitpunkt waren die weiteren Ausbaupläne bereits gestoppt.cite-ref-149[147]
Laut UekĂśtter sind infolge der Nuklearkatastrophe von Fukushima zudem durch erhĂśhte SicherheitsmaĂnahmen hĂśhere Gestehungskosten zu erwarten.cite-ref-150[148]
Nach Hans-Joachim Braun war beispielsweise Anfang der 1980er Jahre, als weltweit mit 326 GW bereits der GroĂteil der heute installierten Leistung aus Kernkraftwerken ans Netz angeschlossen war, die Stromproduktion mit Kernkraftwerken in Deutschland weiterhin teurer als die Stromproduktion mittels Kohlekraftwerken.cite-ref-151[149] In Westeuropa und Kanada boten Kernkraftwerke nach den franzĂśsischen Autoren Debeir/DelĂŠage/HĂŠmery Mitte der 1980er Jahre einen Kostenvorteil gegenĂźber Kohlekraftwerken, während in den USA die Konkurrenzfähigkeit erreicht war, jedoch sich die Kohlestromerzeugung gegenĂźber der Kernenergie weiter verbilligte. GroĂer Einfluss wurde hierbei einerseits der Entwicklung der fossilen Brennstoffpreise zugeschrieben, während die Autoren andererseits betonten, dass sich bereits in den 1970er Jahren die Bauzeiten amerikanischer Kernkraftwerke von sechs auf zehn Jahre verlängerten und parallel dazu die Baukosten der Kernkraftwerke immer weiter anstiegen.cite-ref-152[150] Letztendlich sei âder Atomstrom auch nach dreiĂig Jahren wirtschaftlich und finanziell noch nicht wirklich rentabelâ.cite-ref-153[151]
Ausweislich einer Analyse der Hertie School of Governance zu GroĂprojekten in Deutschland fielen beim Bau von Offshore-Windparks deutlich weniger Mehrkosten an als bei den historisch errichteten Atomkraftwerken. Fallstudien zum Bau von acht Offshore-Windparks und sechs Atomkraftwerken zeigten, dass bei Windparks trotz erheblicher Planungsrisiken deutliche Lerneffekte zu verzeichnen waren; in der Folge waren die Mehrkosten der Offshore-Windparks um 20 % hĂśher als ursprĂźnglich veranschlagt, bei den Atomkraftwerken jedoch dreimal hĂśher. Lerneffekte konnten dabei im Fall der Atomkraftwerke nicht festgestellt werden.cite-ref-154[152]
Zu den Faktoren, die die Wirtschaftlichkeit von Kernkraftwerken verbessern kĂśnnen, gehĂśren ein nicht verzerrter Markt ohne bevorzugte Behandlung anderer Technologien, die Standardisierung von Kraftwerken, eine langfristige und stabile Energiepolitik, effiziente Genehmigungsprozesse, die Vermeidung von Standorten mit hohem Risiko von Naturgefahren, sowie die Einbeziehung externer Kosten wie Luftverschmutzung, CO2-Emissionen und Abfallentsorgung in die Bewertung der Wirtschaftlichkeit aller Energieerzeugungstechnologien auf der Grundlage gemeinsamer Standards.cite-ref-155[153]cite-ref-156[154]
Volkswirtschaftliches Schadensrisiko und Haftpflichtversicherung
Siehe auch
:
Abschnitt âHaftung bei nuklearen Unfällenâ im Artikel âKernkraftwerkâ
Die Schäden eines Unfalls mit erheblicher Freisetzung von Radioaktivität bezifferte eine Studie der Prognos AG 1992 mit 5 bis 12 Billionen DM (2,6 bis 6,1 Billionen âŹ), entsprechend dem drei- bis vierfachen des damaligen jährlichen deutschen Bruttosozialproduktes.cite-ref-prognos-157-0[155] Da ein solcher Unfall in Deutschland nach dieser Studie nur einmal in rund 1700 Jahren zu erwarten sei, beträgt der âSchadenserwartungswertâ demnach 6,4 Milliarden Mark (3,3 Mrd. âŹ) pro Jahr, oder 4,3 Pfennig (2 Cent) je Kilowattstunde Atomstrom.cite-ref-prognos-157-1[155] Eine im Jahr 2012 erstellte Studie des Max-Planck-Instituts fĂźr Chemie schätze das Risiko eines Super-Gaus um den Faktor 200 hĂśher ein als zuvor angenommen.cite-ref-4-158-0[156]
Die Kosten der Tschernobyl-Katastrophe belaufen sich zum Stand 2019 auf ~68 Milliarden Dollar und steigen weiterhin,cite-ref-oecd02-ch2-159-0[157] die Fukushima-Katastrophe wird Steuerzahler schätzungsweise 187 Milliarden Dollar kostencite-ref-guardian-20170130-160-0[158] und das Management radioaktiver Abfälle wird in der EU nach groben Schätzungen bis 2050 ~250 Milliarden Dollar kosten.cite-ref-euwastecosts-161-0[159] In Ländern, die bereits Kernenergie nutzen, kĂśnnten die Kosten fĂźr die Zwischenlagerung nuklearer Abfälle jedoch bis zu einem gewissen, aber unbekannten Grad relativ fest sein, wenn man von der Wiederaufbereitung absieht,cite-ref-162[160] âda der grĂśĂte Teil dieser Kosten auf den Betrieb des Zwischenlagers zurĂźckzufĂźhren istâ.cite-ref-163[161]
Im Falle eines nuklearen Unfalls sind in Deutschland die Folgekosten bis zu einer HĂśhe von 2,5 Mrd. ⏠im Rahmen der Haftpflicht versichert. Die Summe ist im Atomgesetz festgelegt. Die RĂźckversicherung erfolgt Ăźber die Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft (DKVG) als Atompool.cite-ref-164[162] DarĂźber hinaus haften die Betreiber mit ihrem ganzen VermĂśgen fĂźr weitere Kosten.cite-ref-165[163] Nach den Erfahrungen der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima gilt jedoch als sicher, dass weder die finanzielle Absicherung durch die Betreiber noch die UnterstĂźtzung durch die Ăffentliche Hand ausreichen wĂźrde, um alle Schäden eines solchen Ereignisses auszugleichen.cite-ref-166[164] Das Handbuch Europäisches Atomrecht. Recht der Nuklearenergie. hält fest:
âDer Vorteil der Haftungsbegrenzung besteht fĂźr den Betreiber einer nuklearen Anlage darin, eine wirtschaftliche Planung vornehmen zu kĂśnnen. Damit soll auch gewährleistet sein, dass nukleare Aktivitäten stattfinden. Es ist allen Fachleuten klar, dass im Falle eines nuklearen Unfalls die Haftungsbegrenzungen nicht ausreichen, und die einzelnen Staaten Ăśffentliche Gelder dazu verwenden mĂźssen, um die entstandenen Schäden zu ersetzen.â
â
Wolf Georg Schärf:
Europäisches Atomrecht. Recht der Nuklearenergie.
Berlin 2012, S. 65.
Eine franzĂśsische Regierungsstudie, die vom franzĂśsischen Institut fĂźr Strahlenschutz und nukleare Sicherheit (IRSN) erstellt wurde, veranschlagt die volkswirtschaftlichen Schäden eines Unfalls vom AusmaĂ der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Frankreich auf bis zu 430 Mrd. âŹ, was etwa einem Viertel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Die Wahrscheinlichkeit fĂźr einen solchen Vorfall wird von den Autoren der Studie als âextrem geringâ eingeschätzt.cite-ref-167[165]
Bei privaten Versicherungen der Bßrger (Hausratversicherung, Gebäudeversicherung) werden Risiken aus Kernenergie generell ausgeschlossen.
Strompreis in Deutschland
Laut einer Studie des ISE, die von der Bundestagsfraktion von Bßndnis 90/Die Grßnen in Auftrag gegeben wurde, sind Kernkraftwerke in Zeiten negativer BÜrsenstrompreise zwischen 49 % und 96 % der installierten Leistung gefahren worden, und damit hÜher als Gas- und Kohlekraftwerke, während im selben Zeitraum ßberdurchschnittlich viel Solarenergie ins Netz eingespeist wurde. Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass bei Kernkraftwerken eine feinstufige, dem Bedarf angepasste Abregelung anhand der untersuchten Daten nicht festzustellen ist.cite-ref-fraunhofer-kohleverstromung-168-0[166]
Eine Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke wßrde nach Darstellung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) den Strompreis fßr den Privatverbraucher leicht senken. Fßr einen Durchschnittshaushalt wßrde die monatliche Stromrechnung durch weiteren Bezug von Strom aus Kernenergie im Schnitt um 50 Cent pro Monat abnehmen.cite-ref-169[167]
Staatliche Regulierung
Rechtsgrundlagen
Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) soll die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Kernenergie und der Anwendung radioaktiver Stoffe fĂśrdern und gleichzeitig den Missbrauch dieser Technologie (insbesondere die Proliferation von Kernwaffen) durch ĂberwachungsmaĂnahmen verhindern. Diverse internationale Verträge wie der Atomwaffensperrvertrag und das AtomhaftungsĂźbereinkommen geben entsprechende Richtlinien vor.
In Deutschland ist die Rechtsgrundlage der zivilen Verwendung der Kernenergie das deutsche Atomgesetz (Gesetz Ăźber die friedliche Verwendung der Kernenergie und den Schutz gegen ihre Gefahren).cite-ref-170[168] In der Schweiz war bis 2005 das schweizerische Atomgesetz (Bundesgesetz Ăźber die friedliche Verwendung der Atomenergie) Rechtsgrundlage, seither ist es das Kernenergiegesetz. In Ăsterreich dagegen gibt das Bundesverfassungsgesetz fĂźr ein atomfreies Ăsterreich dem Verbot der kommerziellen Nutzung von Kernreaktoren nach einem nationalen Referendum seit 1999 Verfassungsrang.
Weitere Verordnungen, wie die Atomrechtliche Deckungsvorsorge-Verordnung (AtDeckV), setzen internationale Richtlinien in Deutschland um. Die Verordnung verpflichtet Betreiber von deutschen Kernkraftwerken zum Abschluss einer Deckungsvorsorge fĂźr den Fall eines nuklearen Unfalls (siehe Volkswirtschaftliches Schadensrisiko und Haftpflichtversicherung).
Subventionen und andere FĂśrderungen
Die Begriffe Kosten und Subventionen haben verschiedene Bedeutungen und ihre Berechnungsmethoden sind umstritten. Werte dafßr kÜnnen sich je nach Studie stark unterscheiden. Beispielsweise berßcksichtigen einige Kostenanalysen von Kernenergie externe Kosten, andere nicht. Die Datenlage ist insgesamt lßckenhaft; dies betrifft auch die Stromgestehungskosten.cite-ref-171[169] Die Subventionen fßr Kernkraft sind oft weniger direkt und offensichtlich als die fßr erneuerbare Energien oder fossile Brennstoffe, was die Debatte ßber Energiesubventionen erschwert. Robuste Schätzungen der Subventionen fßr bestehende und neue Kernkraftwerke weltweit sind nicht verfßgbar. Die Hochrechnung der geschätzten Subventionen fßr bestehende Kernkraftkapazitäten in den USA auf die weltweite Nuklearproduktion im Jahr 2017 liegt laut der Internationalen Organisation fßr erneuerbare Energien zwischen rund 21 Milliarden und 165 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Jahr wurden fossile Brennstoffe mit schätzungsweise 447 Milliarden US-Dollar direkt subventioniert, erneuerbare Energien mit 128 Milliarden und Biokraftstoffe mit 38 Milliarden.cite-ref-172[170] In Deutschland wurden hohe staatliche FÜrderungen vor allem fßr die Markteinfßhrung der Kernenergie im Bereich Forschung und Entwicklung aufgewendet.cite-ref-173[171]
Europäische Union
Seit der GrĂźndung der Europäischen Atomgemeinschaft 1957 wird die Kernenergie politisch und wirtschaftlich gefĂśrdert. Nach Angaben des Informationsdienst dpa Insight EU wird die Subvention der Kernenergie in den EU-Staaten einem internen Bericht der EU-Kommission zufolge im Jahr 2011 auf 35 Mrd. Euro geschätzt, verschiedenen Medien greifen diese Zahl auf. Demnach lagen die Subventionen der Kernenergie hĂśher als die Subventionen fĂźr erneuerbare Energien (30 Mrd.) und fĂźr fossile Energien (26 Mrd.); fĂźr EffizienzmaĂnahmen wurden 15 Mrd. ausgegeben.cite-ref-174[172]cite-ref-175[173]
Da um das Jahr 2012 kaum Unternehmen bereit waren, die sehr hohen Investitionskosten beim Bau von Kernkraftwerken zu tragen, forderten laut SĂźddeutscher Zeitung GroĂbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien Subventionen fĂźr die Stromerzeugung mittels Kernenergie. Mehrere geplante Kraftwerksprojekte waren bis dahin aus finanziellen GrĂźnden abgesagt worden, der Bau der beiden Kernkraftwerke Flamanville 3 in Frankreich und Olkiluoto 3 hatte sich stark verteuert.cite-ref-176[174]cite-ref-177[175] Der Energiekommissar der EU, GĂźnther Oettinger, kĂźndigte seine Bereitschaft an, âverschiedene Optionen zu diskutierenâ. MĂśgliche Optionen waren die EinfĂźhrung von EinspeisevergĂźtungen analog der FĂśrderung von erneuerbaren Energien, Subventionen zum Bau neuer Kraftwerke, oder die Gleichstellung von Kernkraftwerken mit den erneuerbaren Energien als emissionsarme Technologien. Letztendlich stuft die EU-Kommission Kernenergie seit Januar 2023 als nachhaltig und klimafreundlich ein. Dementsprechend gelten die Regeln zur FĂśrderung von Investitionen in klimafreundliche Wirtschaftsbereiche nun auch fĂźr die Kernenergie.cite-ref-178[176]
Deutschland
â
Hauptartikel
:
Kernenergie in Deutschland
In Deutschland war die Kernenergie die erste Technologie, die mit umfangreichen staatlichen FĂśrdergeldern vorangetrieben wurde, ohne dass ein konkreter Bedarf bestanden hätte. In den 50er Jahren, zu Zeiten der Atomeuphorie, galt ihre Nutzung schlichtweg als selbstverständlich.cite-ref-179[177] Die Initiative ging dabei zunächst von der Chemieindustrie aus,cite-ref-180[178] Energieunternehmen (und auch das Bundeswirtschaftsministerium) bremsten dagegen bei der Entwicklung, und wurden deswegen wiederholt von Seiten der KernenergiebefĂźrworter kritisiert.cite-ref-181[179] Als RWE Ende der 1950er Jahre seinen ersten Kernreaktor plante, geschah dies âum den Anschluss an die Technologie nicht zu verlierenâ. Die zugehĂśrige Bestellung erfolgte allerdings erst 1969 mit dem Kernkraftwerk Biblis.cite-ref-rad-182-0[180]
Am 21. Oktober 1955 wurde Franz Josef Strauà Minister im neugegrßndeten Bundesministerium fßr Atomfragen. Ziel dieses Ministeriums war die Einfßhrung der Kernenergie, ihre FÜrderung und die Schaffung der gesetzlichen Grundlagen hierfßr.cite-ref-neles-pistner-s-5-183-0[181] 1957, ein Jahr vor Verabschiedung des Atomgesetzes, wurde von staatlicher Seite die Reaktorplanungen vorangetrieben. Entwickelt und gebaut werden sollten die Reaktoren von Konzernen, während der Staat Verlustbßrgschaften und umfangreiche Investitionshilfen gewährte.cite-ref-neles-pistner-s-5-183-1[181] Gebaut wurden letztendlich jedoch nur zwei Reaktoren, während die bisher aufgewendeten FÜrdergelder in MilliardenhÜhe in den Aufbau von Entwicklungsabteilungen flossen.cite-ref-184[182]
Am 13. November 1960 ging das Kernkraftwerk Kahl als Versuchsreaktor mit 15 MW in Betrieb, mit US-amerikanischer Reaktortechnik von General Electric.cite-ref-185[183] In den Anfangsjahren glaubte man: âKein AKW in Deutschland kĂśnne jemals mit einem Kohlekraftwerk konkurrenzfähig seinâ. Deshalb wurde der Bau der ersten Kernreaktoren staatlich subventioniert.cite-ref-propante-akw-geschchte-186-0[184] Insgesamt wurden in Westdeutschland mehrere Forschungsprogramme aufgelegt, die jeweils mit mehreren Mrd. Mark ausgestattet waren.cite-ref-187[185] Die FĂśrderung wird in Deutschland mit rund 2000 Euro/kW installierter Leistung angegeben.cite-ref-neles-216-143-2[141]
Das Deutsche Institut fĂźr Wirtschaftsforschung (DIW) kam in einer Studie aus dem Jahr 2007 zu dem Ergebnis, dass sich allein die deutschen Ausgaben des Bundes und der Länder fĂźr nukleare Energieforschung und -technologie von 1956 bis zum Jahr 2006 auf mindestens 50 Mrd. Euro belaufen.cite-ref-diw-lang-188-0[186] Nicht enthalten sind darin unter anderem Ăśffentliche Ausgaben fĂźr die innerdeutsche Uranerzbergbausanierung (6,6 Mrd. âŹ) und Anteile an Stilllegung/RĂźckbau kerntechnischer Anlagen (2,5 Mrd. âŹ).cite-ref-bee-189-0[187]
Addiert man diese Kosten und bezieht sie auf die bis Ende 2006 mittels Kernenergie erzeugte Strommenge von rund 4100 TWh,cite-ref-diw-lang-188-1[186] ergibt sich eine durchschnittliche UnterstĂźtzung von 1,5 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). Betrachtet man nur die im Jahr 2006 wirksame Summe aller quantifizierten Effekte (soweit Angaben vorliegen, einschlieĂlich vereinigungsbedingter Lasten und internationaler Projekte) zur FĂśrderung der Kernenergie, beträgt die Geldmenge 3,7 Mrd. Euro (Währungswert von 2006).cite-ref-diw-lang-188-2[186] Dies entspricht einer UnterstĂźtzung (167,4 TWhcite-ref-190[188] Strom aus Kernenergie im Jahr 2006 in Deutschland) von 2,2 ct/kWh (Währungswert von 2006). Die Werte sind dabei als untere Grenze zu verstehen, da sich viele Kosten der Kernenergie kaum oder gar nicht konkret beziffern lassen und die Zahlen âlängst noch nicht alle Ăśffentlichen Ausgaben zugunsten der Atomenergieâcite-ref-diw-lang-188-3[186] enthalten. Beispielsweise sind Schäden durch Kernenergie in keiner privaten Hausratversicherung abgedeckt,cite-ref-eorosolar-kernkraftkosten-191-0[189] die Kosten weder fĂźr den Salzstock Gorleben noch fĂźr die Stilllegung der Schachtanlage Asse II bezifferbar.cite-ref-192[190] Der World Nuclear Waste Report 2019 stellt fest, dass âselbst in Ländern, in denen das Verursacherprinzip gesetzlich vorgeschrieben ist, dieses nur unvollständig angewandt wirdâ und verweist etwa auf den Fall der deutschen Schachtanlage Asse II, wo die RĂźckholung groĂer Abfallmengen mit einem Kostenaufwand von geschätzten 3,7 Mrd Eurocite-ref-193[191] vom Steuerzahler bezahlt werden muss.cite-ref-194[192]
2010 erstellte das Forum Ăkologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace eine Studie, die eine Gesamtsumme der FĂśrdermittel von 203,7 Milliarden Euro fĂźr den Zeitraum von 1950 bis 2010 ermittelte, was 4,3 ct/kWh entsprechen wĂźrde. Dies beinhaltet SteuervergĂźnstigungen, die Stilllegungen von Meilern, Forschung inklusive Kernfusionsforschung, Mitgliedschaft in internationalen Organisationen wie Euratom sowie die Sanierung der Uranbergbauanlagen in der ehemaligen DDR. BezĂźglich der externen Kosten sehen die Autoren eine âextreme Unterschiedlichkeitâ der in der Literatur vorliegenden Abschätzungen von 0,1 bis 270 Cent pro Kilowattstunde.cite-ref-195[193]
Die beiden Volkswirtschaftler Peter Hennicke und Paul J. J. Welfens sehen in der nicht ausreichenden Haftpflichtversicherung fĂźr schwere nukleare Unfälle eine versteckte Subvention der Atomstromwirtschaft, die âabsurde Investitionsanreize schafft, den Wettbewerb in der Strom- bzw. Energiewirtschaft grotesk verzerrt und vĂśllig unnĂśtige Risiken fĂźr Milliarden Menschen befĂśrdertâ. So Ăźbertreffe die âSchattensubventionâ bei Atomstrom prozentual alle anderen Sektoren der Wirtschaft.cite-ref-196[194] Zum gleichen Ergebnis kommen Joachim Radkau und Lothar Hahn, die im Verzicht auf eine ausreichende Haftpflichtversicherung die entscheidende Subventionierung der Kernenergie sehen, welche die Kernenergienutzung Ăźberhaupt erst ermĂśglichte.cite-ref-joachim-radkau-2013-197-0[195]
Nach Berechnungen von Finanzmathematikern aus dem Jahr 2011 wßrde eine Haftpflichtpolice fßr ein Atomkraftwerk 72 Mrd. Euro jährlich kosten. Der Strompreis eines Atomkraftwerks kÜnnte damit auf mehr als das Vierzigfache steigen.cite-ref-198[196] Eine Studie der KU Leuven fßr die Europäische Kommission schätzte im Jahr 2013 die durch nukleare Unfälle bedingten externen Kosten auf 0,03 bis 0.3 Ct/kWh, sieht aber gleichzeitig noch weiteren Forschungsbedarf. Um versteckte Subventionen zu vermeiden, schlägt der Autor vor, diese Kosten mit 0.1Ct/kWh zu internalisieren.cite-ref-199[197]
FĂźr den RĂźckbau von Kernkraftwerken mĂźssen die Betreiber in Deutschland (und in der Schweiz) eine RĂźckstellung von etwa 500 Millionen Euro je Kraftwerk bilden. Diese RĂźckstellungen bleiben in Deutschland Ăźber den gesamten Zeitraum steuerfrei und dĂźrfen auch investiert werden, um zum Beispiel Unternehmensbeteiligungen zu erwerben oder am eigenen Kraftwerk eingesetzt werden.cite-ref-200[198] Kritiker sehen in den RĂźckstellungen, die mittlerweile insgesamt 36 Milliarden Euro betragen, âdie Bank der Stromkonzerneâ.cite-ref-201[199]
Eine Analyse des Handelsblatts kam 2015 zu dem Schluss, dass Atomkraft âdie wahrscheinlich grĂśĂte und schlechteste Investition in der Geschichte der Bundesrepublikâ war.cite-ref-202[200]
Die Kommission zur ĂberprĂźfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs (KFK) wurde 2015 von der Bundesregierung eingesetzt und empfahl, dass der Staat die Endlagerung radioaktiver Abfälle Ăźbernehmen und die Betreiber Mittel in einen Ăśffentlich-rechtlichen Fonds einzahlen sollten. 2017 zahlten die Betreiber rund 24 Mrd. Euro in den Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (KENFO) ein, ohne eine Verpflichtung fĂźr NachschĂźsse bei etwaigen KostenerhĂśhungen. Die Kosten fĂźr Stilllegung, RĂźckbau und Verpackung des radioaktiven Abfalls sind darin nicht enthalten und bleiben bei den Unternehmen.cite-ref-203[201]
Im Jahr 2021 erhielten die Betreiber der Kraftwerke, Vattenfall, Eon, EnBW und RWE insgesamt etwa 2,4 Milliarden Euro als Entschädigung fßr den beschleunigten Atomausstieg aufgrund der Fukushima-Katastrophe.cite-ref-204[202]
Frankreich
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Hauptartikel
:
Kernenergie in Frankreich
In Frankreich erteilte Premierminister François Fillon im Mai 2011, neun Wochen nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima, dem Obersten Rechnungshof in Frankreich den Auftrag, die Kosten der Kernenergie und des erzeugten Stroms zu ermitteln. Der Rechnungshof legte den Bericht am 31. Januar 2012 vor. Damit wurde erstmals versucht, alle franzÜsischen Forschungsaufwendungen auf dem Gebiet der Stromerzeugung aus Kernenergie seit 1957 zu ermitteln. Demnach kosteten die Erforschung, Entwicklung sowie der Bau der 58 franzÜsischen Kernkraftwerke insgesamt etwa 188 Mrd. Euro (in Kaufkraft von 2010). Diese Kosten konnten durch den Verkauf der Elektrizität bislang zu etwa 75 % amortisiert werden (Zusammenfassung, S. 12 unten).
Der franzĂśsische Industrieverband Uniden forderte im März 2014 von der franzĂśsischen Regierung eine Preisbegrenzung fĂźr Atomstrom, da die Stromkosten fĂźr groĂe industrielle Abnehmer in Deutschland bald um 35 % niedriger lägen als in Frankreich.cite-ref-206[204] Die Prognose erwies sich allerdings als grob falsch. In den darauffolgenden Jahren bis mindestens 2023 lag der Strompreis fĂźr groĂe industrielle Abnehmer in Deutschland rund 70â80 % hĂśher als in Frankreich.cite-ref-207[205]cite-ref-208[206]
GroĂbritannien
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Hauptartikel
:
Kernenergie im Vereinigten KĂśnigreich
In GroĂbritannien wurde fĂźr das neue Kernkraftwerk Hinkley Point C eine auf 35 Jahre garantierte EinspeisevergĂźtung in HĂśhe von 92,5 Pfund/MWh (ca. 11,2 Cent/kWh) plus einem jährlichen Inflationsausgleich von der Regierung zugesagt. Dies ist etwa das Doppelte des derzeitigen englischen BĂśrsenstrompreises und liegt unterhalb der EinspeisevergĂźtung fĂźr groĂe Photovoltaik- und Offshore-Windkraftanlagen und oberhalb von Onshore-Windkraftanlagen.cite-ref-carsten-volkery-2013-138-1[136]cite-ref-209[207] Im Oktober 2014 genehmigte die EU-Kommission die FĂśrderzusage als vereinbar mit dem EU-Wettbewerbsrecht. Die EU-Kommission geht dabei von Baukosten von 31 Mrd. Euro aus, während Herstellerfirma und britische Regierung von nur ca. 19 Mrd. Euro sprechen.cite-ref-210[208]
Vereinigte Staaten
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Hauptartikel
:
Kernenergie in den Vereinigten Staaten
Die Atomic Energy Commission (AEC) wurde 1946 gegrĂźndet und war bis 1974 die zentrale BehĂśrde fĂźr die Forschung und Entwicklung der Nutzbarmachung atomarer Energie. 1977 wurden ihre Aufgaben auf das Energieministerium der Vereinigten Staaten Ăźbertragen.
Der im August 2005 verabschiedete Energy Policy Act beinhaltete Subventionen und staatliche Garantien, um die Kernenergie in den Vereinigten Staaten auszubauen. Bis Januar 2008 wurden bei der Nuclear Regulatory Commission 32 Anträge fßr den Neubau von Reaktoren eingereicht.
Umweltaspekte
Vergleich mit anderen Kraftwerksarten
Lebenszyklusanalysen legen nahe, dass der Ăśkologische FuĂabdruck der Kernenergie mit dem von erneuerbaren Energien vergleichbar ist. Brennstoffkreisläufe mit Wiederaufarbeitung schneiden dabei immer besser ab, als offene Kreisläufe.cite-ref-211[209] Eine Studie der Ritsumeikan-Universität aus dem Jahr 2022 analysierte den Lebenszyklus-Ressourceneinsatz der Kernenergie mit dem Konzept des Total Material Requirement (TMR). Laut der Untersuchung ähnelt der TMR-Koeffizient dem der erneuerbaren Energien und beträgt etwa 20 % des Werts der Kohlekraft, 23 % des Werts der Ălkraft und 35 % des Werts der Energieerzeugung aus verflĂźssigtem Erdgas. Während die Ressourcenintensität des Uranbrennstoffs erheblich ist, trägt die hohe Energiedichte wesentlich dazu bei, die Kernenergieerzeugung in die Gruppe mit niedrigeren TMR-Koeffizienten einzuordnen.cite-ref-212[210]
Die Emissionen von Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden (NOx) bei der Kernenergie entstehen hauptsächlich während der Brennstoffbereitstellung, insbesondere durch den Uranabbau und die Anreicherung. Mit Lebenszyklus-Emissionen von 0,003â0,038 kg/MWh fĂźr SO2 und 0,01â0,04 kg/MWh fĂźr NOx schneidet die Kernenergie deutlich besser ab als fossile Energieträger wie Kohle (SO2: 0,03â6,7 kg/MWh, NOx: 0,3â3,9 kg/MWh), Ăl (SO2: 0,85â8 kg/MWh, NOx: 0,5â1,5 kg/MWh) oder Erdgas (SO2: 0,01â0,32 kg/MWh, NOx: 0,2â3,8 kg/MWh). Bei erneuerbaren Energien wie Windkraft (SO2: 0,02â0,09 kg/MWh, NOx: 0,02â0,11 kg/MWh) und Solarenergie (SO2: 0,12â0,29 kg/MWh, NOx: 0,15â0,40 kg/MWh) stammen die Emissionen vor allem aus der Herstellung der Infrastruktur, bei Wasserkraft (SO2: 0,001â0,03 kg/MWh, NOx: 0,004â0,06 kg/MWh) Ăźberwiegend aus dem Bau der Staudämme.cite-ref-213[211]
Laut Our World in Data ist die Kernenergie hinsichtlich der Landnutzung die effizienteste Technologie zur Stromerzeugung.cite-ref-214[212] Die direkte Landnutzung der Kernenergie liegen bei 0,5 Quadratkilometern pro Terawattstunde.cite-ref-215[213]
Der Erntefaktor (EROI) gibt das Verhältnis von gewonnener zu aufgewendeter Energie an. Fßr seine Berechnung gibt es verschiedene Ansätze und die Ergebnisse hängen stark davon ab, welche Faktoren einbezogen werden. Die Bandbreite der Schätzungen fßr den EROI von Kernenergie ist sehr groà und reicht von weniger als eins bis zu 60. Stand 2013 geben viele Studien einen EROI von etwa fßnf an, womit Kernenergie ungefähr im Bereich von Solarenergie und Erdgas liegt. Zu den besten Performern hinsichtlich des EROI zählen Wasserkraft, Windkraft und Kohlekraft.cite-ref-216[214]
Der Angaben fĂźr den Wasserverbrauch von Kernkraftwerken liegen im Jahr 2024 im Durchschnitt bei ca. 2100 Litern pro Megawattstunde (l/MWh). Der GroĂteil davon ist auf die KĂźhlungssysteme und die damit verbundenen Verdunstungsverluste zurĂźckzufĂźhren. Im Vergleich dazu haben Wind- und Solarenergie den geringsten Wasserverbrauch, der hauptsächlich bei der Herstellung anfällt (279 bzw. 446 l/MWh). Wasserkraftwerke haben einen hohen Wasserverbrauch vor allem durch Verdunstung aus Stauseen (70.000 l/MWh), während Stromerzeugung aus Biomasse durch Bewässerung und Verarbeitung ebenfalls viel Wasser benĂśtigt (537.000 l/MWh). Der Begriff Wasserverbrauch umfasst den Teil des entnommenen Wassers, der verdunstet, in Produkte oder Pflanzen eingearbeitet, von Menschen oder Vieh konsumiert wird oder anderweitig nicht zur sofortigen Nutzung zur VerfĂźgung steht.cite-ref-217[215]
Kohlenstoffdioxid-Emissionen
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Hauptartikel
:
CO2-Emissionen der Stromerzeugung nach Art der Erzeugung
Kernkraftwerke erzeugen im laufenden Betrieb kein CO2. Jedoch ist der Energieeinsatz bei der Herstellung der Kraftwerke, bei ihrem Betrieb (bei Kernspaltungskraftwerken einschlieĂlich Brennstoffbeschaffung und Abfallentsorgung) und bei ihrem Abriss grundsätzlich mit CO2-Freisetzungen verbunden. Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestagescite-ref-wd8-218-0[216] wertet 2007 verschiedene Quellen aus, die zwischen 6 und 126 Gramm CO2 pro erzeugter kWh Strom nennen. Elektrischer Strom aus Kohlekraftwerken liegt bei etwa 950 g/kWh (Steinkohle) und 1150 g/kWh (Braunkohle). Der wissenschaftliche Dienst kommt angesichts der Abschätzungsunsicherheiten zum Ergebnis âdiverse Formen der erneuerbaren Energien, aber auch die Kernkraftâ gehĂśrten zur âSpitzengruppeâ der CO2-armen Energieträger.
Die insgesamt Ăźber den gesamten Lebenszyklus freigesetzte CO2-Menge ist bei Kernkraftwerken also deutlich geringer als bei Erzeugung der gleichen Strommenge mittels konventioneller (fossil gefeuerter) Kraftwerke. Ăhnliche CO2-Emissionsfaktoren kĂśnnen mit Windkraft- und Wasserkraftwerken erreicht werden, während andere erneuerbare Energien, insbesondere die Fotovoltaik, nur etwas kleinere CO2-Emissionsfaktoren erreichen.
Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich
Nicht alle Kraftwerke erzeugen im Betrieb CO2, jedoch entsteht bei der Herstellung, beim Betrieb und bei ihrem Abriss grundsätzlich auch klimaschädliches CO2. Die insgesamt (ßber den gesamten Lebenszyklus) freigesetzte Menge ist sehr unterschiedlich, wie die folgende Tabelle zeigt. Die rot unterlegten Felder zeigen, dass in Deutschland die Kohlekraftwerke nur 47 % der gesamten elektrischen Energie erzeugen, aber 80 % des dabei erzeugten Kohlendioxids verursachen. Der CO2-Anteil, den Kernkraftwerke bei 22,6 % Stromerzeugungsanteil indirekt beitragen, ist mit 0,7 % sehr gering. In den beiden rechten Spalten ist die aktuelle Verteilung im Nachbarland Frankreich gegenßbergestellt.
| Kraftwerksart | CO 2 -Emissionen pro kWh in Gramm [ 218 ] | Anteil an der gesamten Bruttostromerzeugung (2015) in Deutschland [ 219 ] | Anteil an der CO 2 -Erzeugung aller Kraftwerke in Deutschland | Anteil der gesamten elektr. Energie (2007) in Frankreich | Anteil an der CO 2 -Erzeugung aller Kraftwerke in Frankreich |
|---|---|---|---|---|---|
| Wasserkraft | 0 10â40 | 0 3,0 % | 0 0,06 % | 0 8,8 % [ 220 ] | 0 1,2 % |
| Windenergie | 0 10â40 | 0 13,5 % | 0 0,12 % | 0 0 % | â |
| Kernkraftwerk (Kernspaltung) | 0 10â30 | 14,1 % | 0 0,7 % | 86,6 % [ 221 ] | 27,8 % |
| Photovoltaik | 0 50â100 | 0 5,9 % | 0 0,1 % | 0 0 % | â |
| Erdgas | 400â550 | 0 9,1 % | 0 8,1 % | â | â |
| ErdĂśl | 890 [ 216 ] | â | 0 1,9 % | â | â |
| Steinkohle | 790â1080 | 18,1 % | 35,3 % | 0 4,6 % [ 222 ] | 71 % |
| Braunkohle | 980â1230 | 23,8 % | 44,9 % | â | â |
| andere (MĂźll, Biomasse, âŚ) | | 12,5 % | 0 8,9 % | â | â |
| Strom-Mix in Deutschland (2022) | 434 [ 223 ] | â | â | â | â |
Welche Einsparungen durch politische Vorgaben mĂśglich sind, zeigt der Vergleich der Kraftwerkparks der Nachbarländer Frankreich und Deutschland: Obwohl auch in Frankreich CO2 durch die 15 Kohlekraftwerke freigesetzt wird, ist die Gesamtmenge erheblich geringer, wie die folgende Tabelle zeigt. Nach Angaben der EDFcite-ref-edf-120020-226-0[224] werden 95 % der elektrischen Energie in Frankreich CO2-frei erzeugt. Bei fast gleicher elektrischer Gesamtenergie produziert man in Frankreich nicht einmal 10 % des in Deutschland freigesetzten Klimagases CO2. Die Energiewirtschaft verursacht weniger als die Hälfte des anthropogenen CO2-AusstoĂes. Im Pro-Kopf-AusstoĂ liegt Frankreich etwa um ein Drittel niedriger als Deutschland (2008).
| Staat | Gesamterzeugung aller Kraftwerke in TWh | Strom-Mix g pro kWh | Gesamt-CO 2 in Milliarden kg | Anzahl der groĂen fossil- thermischen KraftwerksblĂścke | Anzahl der KernkraftwerksblĂścke |
|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 636,5 | 604 | 384 | â70 | 17 |
| Frankreich [ 221 ] | 610,6 [ 224 ] | 0 61 | 0 37 | 0 15 | 58 |
Kernenergie und Klimaschutz
Im Zuge der internationalen Bemßhungen zur Begrenzung der globalen Erwärmung wird Kernenergie zunehmend auch unter klimapolitischen Gesichtspunkten betrachtet. Da ihre Stromproduktion im Betrieb keine Kohlendioxidemissionen verursacht, wird sie von mehreren Staaten als eine mÜgliche Ergänzung zu erneuerbaren Energien diskutiert. Mehrere Länder haben die Kernenergie in ihre Klimaschutzstrategien aufgenommen und planen einen Ausbau der Kapazitäten, teils mit Blick auf neue Reaktorkonzepte und verlängerte Laufzeiten bestehender Anlagen.cite-ref-227[225]
Einige Kritiker, Lobbyisten der Wind- und Solarbranche sowie Forscher â wie etwa die Scientists for Future â kommen zu dem Schluss, dass die Kernenergie keinen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten kĂśnne, da sie insgesamt zu gefährlich und zu teuer sei, ihre EinfĂźhrung zu lange dauere und ein Hindernis fĂźr einen effektiven Ăbergang zu Nachhaltigkeit und Kohlenstoffneutralität darstelle,cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-1[71]cite-ref-228[226]cite-ref-slowexpensive-229-0[227] und damit letztlich eine ablenkendecite-ref-gates2-230-0[228]cite-ref-cd1-231-0[229] Konkurrenz bezĂźglich Ressourcen (i.e. Personal, finanzielle Investitionen, Zeit, Infrastruktur und Expertise) fĂźr den Einsatz und die Entwicklung anderer Energiesystemtechnologien sei.cite-ref-mil1-73-1[72]cite-ref-cd1-231-1[229]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-2[71]cite-ref-232[230] Anstelle der Kernenergie werden dabei etwa Wind-, Ozean- und Solarenergie (einschlieĂlich z. B. Floating Solar) sowie diverse MĂśglichkeiten zur Bewältigung ihrer Variabilität ohne nukleare Grundlasterzeugung,cite-ref-mit2018-233-0[231] wie z. B. Dispatchable Generation, Diversifizierung nachhaltiger Energiequellen,cite-ref-234[232]cite-ref-10-1016-j-esr-2019-01-007-235-0[233] Energiespeicher-Technologien,cite-ref-236[234]cite-ref-237[235] Super Grids und flexible Energienachfrage und -versorgung regulierende Smart Grids genannt.cite-ref-10-1016-j-enpol-2016-04-013-238-0[236]cite-ref-239[237]cite-ref-240[238]cite-ref-241[239]cite-ref-242[240]cite-ref-dont-243-0[241]
Dennoch wird Ăźber die Kosten neuer Kernkraftwerke geforscht und debattiert, insbesondere in Regionen, in denen u. a. eine saisonale Energiespeicherung schwierig ist und die den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zugunsten von kohlenstoffarmer Energie schneller als der weltweite Durchschnitt anstreben.cite-ref-244[242] Eine Studie legt nahe, dass die finanziellen Ăbergangskosten fĂźr ein zu 100 % auf erneuerbaren Energien basierendes europäisches Energiesystem, das vollständig aus der Kernenergie ausgestiegen ist, bis 2050 auf der Grundlage der derzeitigen Technologien (d. h. ohne BerĂźcksichtigung potenzieller Fortschritte z. B. bezĂźglich grĂźnem Wasserstoff, Ăbertragungs- und Flexibilitätskapazitäten, MĂśglichkeiten zur Verringerung des Energiebedarfs oder geothermischer Energie) teurer sein kĂśnnten, sofern sich das Netz nur Ăźber Europa erstreckt.cite-ref-245[243] Einige haben argumentiert, dass die jĂźngsten Werbekampagnen fĂźr die Kernenergie â auch fĂźr neuartige Reaktorkonzepte wie âkleine modulare Reaktorenâ â zum Teil oder hauptsächlich von der âverzweifelten Suche einer untergehenden Industrie nach Kapital und der damit verbundenen Lobby, die sie als LĂśsung fĂźr den Klimawandel darstelltâ, angetrieben wird.cite-ref-gates2-230-1[228]cite-ref-cd1-231-2[229]
Bei einer Betrachtung historischer Umstellungen nationaler oder regionaler Stromnetze urteilt die Lobbyorganisation World Nuclear Association, dass der Messmer-Plan in Frankreich in Folge der Ălkrise 1973,cite-ref-246[244] der Ausbau der Kernenergie in Schweden, Finnland und Ontariocite-ref-247[245]cite-ref-248[246] in den 1970er bis 1990er Jahren und die verschiedenen Ausbauprojekte der Hydroenergie in dafĂźr geographisch geeigneten Gebieten wie Quebec oder Norwegen grĂśĂenordnungsmäĂig ähnliche Kosten und Dauern aufwiesen, im Vergleich dazu jedoch die Energiewende in Deutschlandcite-ref-249[247] und andere vordringlich auf Wind und Solar setzende Projekte teurer waren und sind (auch inflationsbereinigt) und einen geringeren Dekarbonisierungseffekt hatten â sowohl pro aufgewendeter Geldmittel als auch in pro-Kopf oder pro-kWh Werten.cite-ref-250[248]cite-ref-251[249]cite-ref-252[250]cite-ref-253[251]cite-ref-254[252]
Wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass die Menschheit nur noch Ăźber ein Kohlenstoffbudget verfĂźgt, das den Emissionen von 11 Jahren entspricht, um die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen wenn man das Emissionsniveau des Jahres 2021 annimmt,cite-ref-255[253]cite-ref-256[254] während der Bau neuer Kernreaktoren im Zeitraum 2018â2020 im Durchschnitt 7,2-10,9 Jahre dauerte.cite-ref-statusreport-101-1[99] Der Bau neuer Kernkraftwerke dauert ab Baubeginn also wesentlich länger als der Ausbau der Wind- und Solarenergie â insbesondere bei neuartigen Reaktortypen â und ist zudem risikoreicher, oft verzĂśgert und stark abhängig von staatlicher UnterstĂźtzung.cite-ref-257[255]cite-ref-258[256]cite-ref-slowexpensive-229-1[227]cite-ref-gates2-230-2[228]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-3[71]cite-ref-worldnuclearreport-259-0[257]cite-ref-10-1016-j-enpol-2016-04-013-238-1[236] Forscher warnten zudem, dass neuartige Nukleartechnologien â die bereits seit Jahrzehnten in der Entwicklung sindcite-ref-260[258]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-4[71]cite-ref-10-1016-j-erss-2014-04-015-53-1[53] â weniger erprobt sind, hĂśhere Proliferationsrisiken haben, mehr neue Sicherheitsprobleme aufweisen, oft weit von der Kommerzialisierung entfernt sind und teurer sindcite-ref-10-1016-j-erss-2014-04-015-53-2[53]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-5[71]cite-ref-10-1016-j-enpol-2016-03-012-261-0[259]cite-ref-adva1-52-1[52] â also nicht rechtzeitig verfĂźgbar sind.cite-ref-sol1-68-2[67]cite-ref-mil1-73-2[72]cite-ref-262[260]cite-ref-gates2-230-3[228]cite-ref-10-1080-00963402-2021-1941600-263-0[261] Fusionsenergie, die im Einsatz als deutlich weniger problematisch gilt, wird wahrscheinlich nicht vor 2050 kommerziell weit verbreitet sein.cite-ref-fusion2-264-0[262]cite-ref-fusiongua-265-0[263]cite-ref-fusion3-266-0[264]cite-ref-fusion4-267-0[265]
Im Jahr 2021 verĂśffentlichte die Wirtschaftskommission fĂźr Europa (UNECE) einen Bericht, in dem argumentiert wird, dass Kernenergie ein wichtiges Instrument sei, um die Ziele des Ăbereinkommens von Paris sowie der Agenda 2030 zu erreichen. Laut Bericht habe in den vorherigen 50 Jahren nur Wasserkraft eine grĂśĂere Rolle bei Vermeidung von CO2-Emissionen gespielt. Kernenergie kĂśnne demnach in Zukunft in Verbindung mit anderen CO2-armen Energiequellen Bestandteil eines dekarbonisierten Strommixes sein. Da Kernkraftwerke auch Wärme erzeugen, sehen die Autoren zusätzliches Potential fĂźr nicht-elektrische Anwendungen, wie thermische Wasserstoffherstellung, Fernwärme, Meerwasserentsalzung, oder die Herstellung synthetischer Kraftstoffe. AuĂerdem bezeichnet der Bericht die Stilllegung von Reaktoren, wie sie in Deutschland und Belgien stattgefunden hat, als RĂźckschlag fĂźr die BemĂźhungen im Bereich des Klimaschutzes.cite-ref-268[266]cite-ref-269[267]
An der UN-Klimakonferenz in Dubai 2023 haben Vertreter von 22 Staaten erklärt, dass sie die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 verdreifachen wollen.cite-ref-270[268]
Unfallgefahr (Risiko einer Kernschmelze)
â
Hauptartikel
:
Kernschmelze
Das radioaktive Inventar eines Kernreaktors kann ein erhebliches Schadenspotenzial fßr die Umwelt und Gesundheit ßber eine lange Zeit darstellen. Bei der Sicherheitsbewertung von Kernkraftwerken kommen unter anderem Probabilistische Sicherheitsanalysen (PSA) zum Einsatz. PSA treffen Aussagen ßber die Häufigkeit, mit der in einem festgelegten Zeitraum bestimmte Schadenszustände erreicht werden kÜnnen. Fßr deutsche Anlagen ergaben PSA Anfang der 2000er Jahre, dass die geschätzte Häufigkeit von Kernschäden zwischen einem und 26,5 Ereignissen pro 5 Millionen Betriebsjahren je Reaktor liegt. Fßr bestehende Anlagen gilt nach einer Empfehlung der Internationalen AtomenergiebehÜrde (IAEA) aus dem Jahr 2006 ein Richtwert fßr die Kernschadenshäufigkeit von hÜchstens einem Ereignis pro einhunderttausend Reaktorjahren. Fßr neuartige Reaktorkonzepte wie den EPR wird die Wahrscheinlichkeit fßr einen Kernschaden unterhalb von 1 pro 10 Millionen Reaktorjahren angegeben.cite-ref-271[269]
Bei der Katastrophe von Tschernobyl, dem bislang folgenschwersten Nuklearunfall der Geschichte, wurden 1986 groĂe Landflächen â auch in Deutschland â mit radioaktiven Nukliden kontaminiert. Nach Schätzungen des Tschernobyl-Forums starben etwa 4000 Menschen, wobei diese Zahl umstritten ist. Auch bei den UnglĂźcken von Kyschtym und Fukushima kam es zu erheblichen Kontaminationen der Umwelt.
Im Mai 2012 erschien eine Studie des Max-Planck-Instituts fĂźr Chemie, nach der katastrophale nukleare Unfälle wie die in Tschernobyl und Fukushima häufiger auftreten kĂśnnten als bisher angenommen. Aufgrund der bisherigen Laufzeiten aller zivilen Kernreaktoren weltweit und der aufgetretenen Kernschmelzen berechneten sie, dass solche Ereignisse im aktuellen Kraftwerksbestand etwa alle 10 bis 20 Jahre vorkommen kĂśnnten, was 200 Mal häufiger ist als zuvor geschätzt. Zudem wĂźrde die Hälfte des freigesetzten radioaktiven Cäsium-137 bei einem solchen Unfall mehr als 1.000 Kilometer weit transportiert werden. Laut der Studie werde Westeuropa, einschlieĂlich Deutschland, wahrscheinlich einmal in etwa 50 Jahren mit mehr als 40 Kilobecquerel Cäsium-137 pro Quadratmeter belastet, was gemäà der IAEA als radioaktiv kontaminiert gilt.cite-ref-4-158-1[156]cite-ref-272[270]
Global sank die Anzahl von Industrieunfällen in Kernkraftwerken seit 1990 auf ein Fßnftel.cite-ref-273[271]
Belastungen durch den Uranbergbau
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Hauptartikel
:
Risiken des Uran-Bergbaus
Der Abbau von Uran ist mit negativen UmwelteinflĂźssen verknĂźpft, die sowohl während des Bergbaus selbst auftreten als auch nach Abschluss der Bergbautätigkeit durch die zumeist ungenĂźgend gesicherten bergbaulichen Hinterlassenschaften langfristig wirksam bleiben.cite-ref-274[272] Uran wird vorwiegend im Tage- und Untertagebau abgebaut, wobei der GroĂteil des Urans aus Staaten stammt, âderen Bergbau-Umweltstandards als unterentwickelt geltenâ. In Staaten wie Russland, Kanada, Niger oder Kasachstan gibt es darĂźber hinaus keine Vorgaben zum Umgang mit RĂźckstandsdeponien.cite-ref-275[273] Damit einher gehen Flächeninanspruchnahme, Wasserverbrauch und -verschmutzungcite-ref-276[274] sowie generelle Umweltverschmutzung und gesundheitliche Gefährdung fĂźr Minenarbeiter und die betroffene BevĂślkerung. Spezifisch fĂźr die Urangewinnung ist die dadurch verursachte Freisetzung von und Belastung durch Radioaktivität, die in der Geschichte des Uranbergbaus zu vermehrten (Lungen-)Krebsfällen gefĂźhrt hat. Von Atomkraftgegnern wird kritisiert, dass die CO2-Emissionen im Uranbergbau in Betrachtungen zur Ăkobilanz der Kernenergie nicht berĂźcksichtigt werden.
Der Uranabbau in Deutschland (in der ehemaligen DDR, zur Wiedervereinigung 1990 eingestellt; siehe Wismut) fĂźhrte zu Erkrankungen von Bergleuten. Durch Berichte, medizinische Dossiers und Prozessakten gilt dieser Uranbergbau als der weltweit am besten dokumentierte.cite-ref-277[275]
Belastungen aus dem Normalbetrieb
Im Normalbetrieb von Kernkraftwerken gelangen geringe Mengen an Strahlung in die Umgebung, was durch ein breit gefächertes Ăberwachungsnetz gemessen und dokumentiert wird. Der GroĂteil der Strahlung stammt hierbei von 14C aus der Abluft. Neben der natĂźrlichen Strahlenexposition in Deutschland von durchschnittlich 7000210000000000000â 2,1 mSv pro Jahr beträgt die maximale Strahlenexposition an den ungĂźnstigsten Einwirkungsstellen in der Umgebung von Kernkraftwerken fĂźr alle Altersgruppen weniger als 6998100000000000000â 0,01 mSv pro Jahr.cite-ref-278[276] Eine Person, die sich ganzjährig an der ungĂźnstigsten Stelle in der Nähe eines Kraftwerks aufhält, kĂśnnte somit ihre insgesamt aufgenommene Strahlungsmenge um bis zu 0,5 % erhĂśhen. Detailliertere Schätzungen der maximalen Strahlenexposition aus England und Frankreich gelangen zu Expositionswerten zwischen 6994300000000000000â 0,003 mSv und 6997600000000000000â 0,006 mSv pro Jahr.cite-ref-279[277] Kerntechnische Anlagen weltweit fĂźhren auĂerdem regelmäĂig Abwasser mit kleinen Mengen radioaktiver Isotope in Gewässer ab, ohne dass Hinweise auf Umwelt- oder Gesundheitsbeeinträchtigungen vorliegen.cite-ref-280[278]
Eine Studie des Bundesamtes fĂźr Strahlenschutz aus dem Jahr 2007 fand eine statistisch signifikant erhĂśhte Leukämiehäufigkeit bei Kindern, die weniger als fĂźnf Kilometer von einem Kernkraftwerk entfernt aufgewachsen sind. Danach erkrankten von 1980 bis 2003 im FĂźnf-Kilometer-Umkreis um die Kernkraftwerke in Deutschland 37 Kinder neu an Leukämie â im statistischen Mittel wären es 17 Kinder gewesen. Die Ursachen fĂźr diese Korrelation sind bis heute nicht geklärt, nach derzeitigem Kenntnisstand ist der Zusammenhang nicht strahlenbiologisch erklärbar.cite-ref-281[279]cite-ref-michaelis-j-1992-282-0[280]cite-ref-283[281]cite-ref-kikk-2007-284-0[282]cite-ref-285[283]
Ăber die Interpretation dieses Befundes herrscht keine Einigkeit. Während die Autoren der Studie der Auffassung sind, dass die von deutschen Kernkraftwerken im Normalbetrieb emittierte ionisierende Strahlung wegen der um ein Vielfaches hĂśheren natĂźrlichen Strahlenbelastung nicht als Ursache in Betracht kommt,cite-ref-kikk-2007-284-1[282] gelangt das externe Expertengremium des BfS zur KiKK-Studie zur Ăberzeugung, dass aufgrund des besonders hohen Strahlenrisikos fĂźr Kleinkinder sowie der unzureichenden Daten zu Emissionen von Leistungsreaktoren dieser Zusammenhang keinesfalls ausgeschlossen werden kann.cite-ref-286[284] Andere Studien sind dagegen kontrovers. Sie zeigen keinen bis hin zu einem deutlichen Zusammenhang zwischen dem Wohnen in der Nähe eines Kernkraftwerkes und dem Auftreten von Krebsfällen.cite-ref-michaelis-j-1992-282-1[280]cite-ref-287[285]cite-ref-288[286]cite-ref-289[287] Es wird auch darauf verwiesen, dass 'viele eventuell miteinander kombinierte Faktoren ⌠als Krankheitsursache denkbar (sind) und ⌠mĂśglicherweise in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke gehäuft auf(-treten)', es sich also nicht um noch unbekannte Emissionen von Leistungsreaktoren handelt.cite-ref-290[288]
Wärmebelastung von Gewässern
Kernkraftwerke benĂśtigen groĂe Mengen KĂźhlwasser, das aus FlĂźssen oder Meeren entnommen wird, um die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme abzufĂźhren. Wird dieses erwärmte Wasser direkt in das Gewässer zurĂźckgeleitet, kann es die Wassertemperatur erhĂśhen und das Ăśkologische Gleichgewicht beeinträchtigen. Um dies zu verhindern, gibt es Umweltauflagen, die sicherstellen, dass die Temperatur des zurĂźckgefĂźhrten Wassers bestimmte Grenzwerte nicht Ăźberschreitet. Um die Wärmeeinleitung in Gewässer zu reduzieren, werden oft KĂźhltĂźrme eingesetzt. In diesen TĂźrmen wird ein Teil des KĂźhlwassers verdampft und die Wärme somit an die Atmosphäre abgegeben. Dies verringert die Menge an erwärmtem Wasser, das in FlĂźsse oder Meere zurĂźckgefĂźhrt wird. Wenn dennoch absehbar ist, dass die Temperaturgrenzwerte Ăźberschritten werden, mĂźssen Kraftwerke ihre Leistung reduzieren. Diese MaĂnahmen gelten nicht nur fĂźr Kernkraftwerke, sondern auch fĂźr andere Dampfturbinen-Kraftwerke wie Kohle- oder Gaskraftwerke.cite-ref-291[289] In Frankreich betrugen die durch Drosselung bedingten Verluste in den Jahren 2000 bis 2022 zwischen 0,16 und 1,43 % der Jahresproduktion an Kernenergie. Punktuell kĂśnnen diese Verluste jedoch beträchtlich sein und betrugen zum Beispiel während der Hitzewelle im Juli 2003 zeitweise fast 10 % der installierten Leistung an Kernenergie in Frankreich. In auĂergewĂśhnlichen klimatischen Bedingungen kĂśnnen vorĂźbergehend erhĂśhte Grenzwerte angewendet werden, wenn dies zur Sicherung des Stromnetzes erforderlich ist. Dies geschah in Frankreich unter anderem während der Hitzewelle im Jahr 2022.cite-ref-rechnungshof2023-292-0[290]
Belastungen durch radioaktive Abfälle
Kritiker der Kernenergie argumentieren, dass die langfristige Sicherheit bei der Entsorgung radioaktiver Abfälle nicht garantiert werden kÜnne. Es sei unrealistisch, die Leistungsfähigkeit eines technischen Systems fßr Zeiträume jenseits der menschlichen Zivilisation zu demonstrieren, da langfristige Vorhersagen grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet sind. Obwohl keine absolute Sicherheit garantiert werden kann, gelten katastrophale Ereignisse bei der Einlagerung von nuklearem Abfall in tiefe geologische Formationen dennoch als sehr unwahrscheinlich. Ein sehr vereinfachter Ansatz zur Bewertung der Sicherheit wurde von Bernard Cohen vorgeschlagen. Dieser Ansatz soll die Folgen eines Versagens bei der Entsorgung hochradioaktiven Abfalls (HLW) verdeutlichen und geht davon aus, dass sich vergrabener HLW wie durchschnittliches natßrliches Gestein verhält und sich im Laufe der Jahrtausende in Grundwasser auflÜst. Es wird weiter angenommen, dass das kontaminierte Grundwasser durch das Trinken aus kontaminierten Brunnen und Flßssen, die Aufnahme von pflanzlichen Lebensmitteln, die damit bewässert wurden, und den Verzehr von Fischen aus kontaminierten Flßssen aufgenommen wird. Diese Analyse fßhrt Cohen zu einer Schätzung von bis zu 0,02 Todesfällen infolge von HLW, die bei der Produktion von einem Gigawattjahr elektrischer Energie mit Kernkraft anfallen. Dies entspricht etwa 0,0023 Todesfällen pro Terawattstunde.cite-ref-294[291.1]cite-ref-295[292]
Drei Studien in den USA aus den Jahren 1977, 1987 und 2000 untersuchten das Strahlungsrisiko fĂźr die Ăffentlichkeit bei hypothetischen Unfällen während des Transports von abgebrannten Brennelementen. Die pessimistischste Schätzung stammt aus der Studie der Nuclear Regulatory Commission von 1977, die eine maximale Kollektivdosis in der GrĂśĂenordnung von 100 Mikrosievert fĂźr die GesamtbevĂślkerung annimmt.cite-ref-296[291.2]
Bei der Wiederaufarbeitung extrahiertes Plutonium kÜnne zur Herstellung von Kernwaffen verwendet werden, welche selbst bei der derzeitigen relativ zentralisierten Kontrolle (z. B. auf staatlicher Ebene) und dem Ausmaà der Verbreitung als schwieriges Problem und erhebliches globales Risiko gesehen werden.cite-ref-repr-98-2[96] Ein Bericht in den Medien aus dem Jahr 1983 machte auf erhÜhte Fälle von Leukämie bei Kindern in der Nähe der nuklearen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield aufmerksam. Dies veranlasste Untersuchungen an weiteren nuklearen Standorten, bei denen teilweise ebenfalls auf mÜgliche Krebscluster hingewiesen wurde. Es gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung aus den Emissionen während des normalen Betriebs von Nuklearanlagen die Ursache ist. Ebenso wenig ist es plausibel, dass das Sellafield-Cluster eine Folge von unbeabsichtigten Freisetzungen aus der Anlage ist.cite-ref-297[293]
Bis in die 1970er Jahre wurden rund 100.000 Fässer mit radioaktiven Abfällen auf hoher See verklappt, zum Teil in Fischfanggebieten. Die Folgen fĂźr Ăkologie und menschliche Ernährung werden aufgrund der starken VerdĂźnnung als vernachlässigbar eingestuft.cite-ref-298[294] Einige Wissenschaftler haben in der Vergangenheit vorgeschlagen, die AtommĂźllverklappung in den Weltmeeren wieder aufzugreifen, da der Beitrag natĂźrlicher im Meerwasser aufgelĂśster, radioaktiver Isotope rein rechnerisch etwa fĂźnf Millionen Mal grĂśĂer sei als die der Verklappung sämtlicher AtommĂźllmengen Amerikas.cite-ref-299[295]
Vergleich mit anderen Gefahrenquellen
Die unterschiedlichen Effekte von verschiedenen Formen der Stromerzeugung auf die Gesundheit sind nur schwer zuzuschreiben. Einer Schätzung auf Basis von Daten aus der Europäischen Union zufolge liegt die Zahl der durch Atomkraft verursachten Todesfälle in der Ăffentlichkeit in Europa bei 0,003 und bei Beschäftigten im Kernenergiesektor bei 0,019 (jeweils pro erzeugter Terawattstunde). Todesfälle durch Luftverschmutzung aufgrund der Kernenergienutzung liegen bei 0,052, schwere Erkrankungen bei 0,22. Im Vergleich dazu liegt die Zahl der Todesfälle durch Elektrizitätsgewinnung mit Braunkohle bei 0,02 (Unfälle in der Ăffentlichkeit), 0,1 (Unfälle bei Beschäftigten), 32,6 (Luftverschmutzung) bzw. 298 (schwere Erkrankungen). Als wesentlichere Probleme der Kernenergie sehen die Autoren deswegen nicht die Luftverschmutzung und den normalen Betrieb, welche vergleichsweise wenige Todesfälle verursachten, sondern eher langfristige Gefahren verbunden mit der Lagerung der nuklearen Abfälle, die militärische Nutzung und die Schäden im Falle eines Unfalls.cite-ref-300[296] Diese Einschätzung wurde auch nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima u. a. von James E. Hansen bestätigt. Er verglich in einer 2013 erschienenen Studie die Risiken verschiedener Energieträger und sprach sich dabei fĂźr die Kernenergie als deutlich risikoärmere und emissionsärmere Technologie aus.cite-ref-hansen2013-301-0[297]
Gefahren fĂźr Frieden und Sicherheit
Proliferation von Kernwaffen â Missbrauch
Gegner der Kernkraft argumentieren, dass es nicht mĂśglich sei, zivile und militärische Nutzung faktisch zu trennen. Die Kernenergie trage zur Verbreitung von Technologie und Material zur Herstellung von Atomwaffen bei, insbesondere die Anreicherungs- und Wiederaufbereitungsanlagen, bei denen waffenfähiges Plutonium produziert wird. Indien, Nordkorea und SĂźdafrika begannen zivile Atomprogramme mit speziellen Forschungsreaktoren. Ob waffentaugliches Plutonium in diesen hergestellt wurde oder in speziellen Anlagen, ist umstritten. SĂźdafrika gab seine Kernwaffen zwischenzeitlich auf. Der Iran sowie Israel besitzen in jĂźngster Zeit keine Kernkraftwerke zur kommerziellen Energiegewinnung. SĂźdafrika nahm sein bisher einziges kommerzielles Kernkraftwerk in Betrieb, lange nachdem es Kernwaffen erworben hatte. John Large, ein fĂźhrender Atomenergie-Experte GroĂbritanniens, meint: Jedes zivile Nuklearprogramm eignet sich per se dazu, ein Waffenprogramm zu verbergen [âŚ] In vielen Bereichen ist die militärische von der zivilen Nutzung kaum zu unterscheiden.cite-ref-spiegel-de-302-0[298]
Anlagen zur 235Uran-Anreicherung, wie die deutsche Urananreicherungsanlage Gronau, kÜnnten auch zur Herstellung von kernwaffenfähigem Material, mit einem Anteil von 80 % 235U, verwendet werden.
Während der Herstellung nuklearer Brennstäbe muss der Anteil des spaltbaren Uran-Isotops 235 zur Verwendung in den meisten Reaktortypen (nicht aber in Schwerwasserreaktoren und einigen graphitmoderierten Reaktorbauarten) vom natĂźrlichen Anteil von 0,7 % auf etwa 4 % erhĂśht werden (âUran-Anreicherungâ), damit es in der Lage ist, eine Kettenreaktion hervorzurufen. Kernkraftgegner befĂźrchten, dass Anlagen zur Uran-Anreicherung jederzeit so umgebaut werden kĂśnnten, dass man dort waffenfähiges Uran mit etwa 80 % Uran-235-Gehalt produzieren kĂśnnte. Die in Wiederaufarbeitungsanlagen eingesetzten Techniken eignen sich prinzipiell auch zur Gewinnung von Plutonium aus abgebrannten Brennstäben, das ebenfalls zur Energiegewinnung in MOX-Brennelementen verwendet werden kann. Die Waffentauglichkeit des gewonnenen Plutoniums sinkt zwar mit zunehmendem Abbrand der Brennelemente. Aber aus Plutonium hoch abgebrannter Brennelemente lässt sich noch ein Nuklearsprengsatz geringerer Effizienz herstellen.cite-ref-303[299]
Viele Technologien, die im Zusammenhang mit der zivilen Kernenergie stehen, sind gleichzeitig relevant fßr die Entwicklung und Herstellung von Kernwaffen. Daher kÜnnen zivile Kernenergieprogramme, falls es ein Staat so will, als Deckmantel fßr ein geheimes militärisches Kernwaffenprogramm genutzt werden. Das iranische Atomprogramm ist eines der prominenten Beispiele dafßr.cite-ref-dfall2009-304-0[300]
Ein grundlegendes Ziel nationaler und weltweiter Sicherheitsbestreben besteht darin, das Proliferationsrisiko zu minimieren, welches mit der weltweiten Nutzung und dem Ausbau der zivilen Kernenergienutzung einhergeht. Sofern die Entwicklung âschlecht umgesetzt wird oder die MaĂnahmen zur Eindämmung des Poliferationsrisikos fehlschlagen, wird es in Zukunft gefährlichâ.cite-ref-dfall2009-304-1[300] Das Global Nuclear Energy Partnership ist ein Ansatz, um Staaten mit Bedarf nach Kernbrennstoff eben solchen gĂźnstig zur VerfĂźgung zu stellen. Als Gegenleistung verpflichten sich die Staaten, auf eigene Programme zur Urananreicherung zu verzichten.
Benjamin K. Sovacool zufolge haben einige âhohe Offizielle, sogar innerhalb der Vereinten Nationen, argumentiert, dass sie wenig unternehmen kĂśnnen, um Staaten davon abzuhalten, Kernreaktoren fĂźr die Herstellung von Kernwaffen zu nutzenâ. Ein Report der Vereinten Nationen von 2009 besagt:
âDas wiedererstarkte Interesse an der Nutzung der Kernenergie kĂśnnte zur weltweiten Verbreitung von Technologien zur Urananreicherung und Wiederaufbereitung fĂźhren. Dies stellt ein klares Proliferationsrisiko dar, da diese Technologien Spaltmaterial erzeugen kĂśnnen, die direkt in Kernwaffen eingesetzt werden kĂśnnen.âcite-ref-bks2011-305-0[301]
Auf der anderen Seite kĂśnnen Leistungsreaktoren dazu verwendet werden, Kernwaffenarsenale zu reduzieren. Im Zuge des Megatonnen-zu-Megawatt-Programms wurden bisher 425 Tonnen hochangereichertes Uran aus ehemaligen Kernwaffen zu Kernbrennstoff fĂźr Reaktoren verarbeitet. Dies entspricht etwa 17.000 NuklearsprengkĂśpfen. Damit ist dies das bisher erfolgreichste Anti-Proliferationsprogramm.cite-ref-thebulletin-org-306-0[302]
Professor Matthew Bunn meint dazu:
âRussland ist nicht weiter daran interessiert, das Programm nach 2013 fortzusetzen. Wir hatten es so eingerichtet, dass es sie mehr kostet und sie weniger davon profitieren, als wenn sie einfach neuen Reaktorbrennstoff herstellen. Es gibt aber andere MĂśglichkeiten, die das Ganze profitabler machen und auch ihren strategischen Interessen, ihre Nuklearexporte auszuweiten, dienen wĂźrde.âcite-ref-307[303]
2013 sagte Mark Diesendorf, dass die Regierungen Frankreichs, Indiens, Nordkoreas, Pakistans, Englands und Sßdafrikas Leistungs- und Forschungsreaktoren dazu verwendet haben, Kernwaffen zu entwickeln oder Kernwaffenbestände aus militärischen Reaktoren zu erweitern.cite-ref-diesrev-308-0[304]
Die Entwicklungen von neuen Reaktorsystemen und zugehÜrigen Brennstoffkreisläufen durch das Generation IV International Forum haben explizit das Ziel, ein Entnehmen von kernwaffenfähigem oder terroristisch einsetzbarem Material so unattraktiv wie mÜglich zu machen.cite-ref-309[305]
Gefahr von Terroranschlägen
Kernkraftwerke gelten als Ziele fßr terroristische Angriffe, wobei diese Erkenntnisse nicht erst seit den Anschlägen vom 11. September diskutiert werden. Bereits beim Bau der ersten Kernkraftwerke wurde von Sicherheitsgremien auf diese Problematik hingewiesen. Auch sind aus mehreren Staaten Angriffsdrohungen gegen Kernkraftwerke durch Terroristen oder Kriminelle dokumentiert.cite-ref-310[306] Während in Deutschland ältere Kernkraftwerke ohne besonderen Schutz gegen Flugunfälle gebaut wurden, sind die später gebauten Kernkraftwerke mit einem massiven Betongebäude teilweise gegen Flugunfälle gesichert. Ausgelegt sind sie gegen den Aufprall von Kampfflugzeugen mit einer Geschwindigkeit von etwa 800 km/h.cite-ref-julia-mareike-neles-2012-311-0[307] Hierbei wurde als Bemessungsgrundlage der Aufprall eines Flugzeugs des Typs Phantom II mit einer Masse von 20 Tonnen und Geschwindigkeit von 215 m/s angenommen.cite-ref-312[308]
Diskutiert wurden auch die Gefahren, die aus einem terroristischen Anschlag mittels eines GroĂflugzeugs auf ein Kernkraftwerk entstehen.cite-ref-julia-mareike-neles-2012-311-1[307] Ein solcher Terroranschlag kĂśnnte katastrophale Folgen haben.cite-ref-313[309] Nach den Terroranschlägen in BrĂźssel 2016 wurden mehrere Kernkraftwerke teilevakuiert. Zugleich wurde bekannt, dass die Terroristen auch die Atomkraftwerke ausgespäht hatten. Mehreren Mitarbeitern wurde die Zugangsberechtigung entzogen.cite-ref-314[310]
AuĂerdem gibt es die Gefahr von âNuklear-Terrorismusâ, z. B. durch Einsatz âschmutziger Bombenâ durch Terroristen.cite-ref-315[311] FĂźr deren Herstellung wĂźrden beliebige radioaktive Abfälle oder das fĂźr Kernkraftwerke angereicherte Uran in Frage kommen.cite-ref-spiegel-de-302-1[298]
Gefahren in einem Krieg
Gefahren durch kriegerische Auseinandersetzungen rĂźckte in die Aufmerksamkeit der breiten Ăffentlichkeit, als im Rahmen des russischen Ăberfalls auf die Ukraine am 4. März 2022 das Kernkraftwerk Saporischschja â mit 6 mal 950 MW das leistungsfähigste in Europa â mit russischen Raketen beschossen wurde und Schäden unter anderem im Bereich des Standortzwischenlagers fĂźr radioaktive Abfälle, in mehreren Nebenanlagengebäuden und bei der Werkfeuerwehr entstanden. DarĂźber hinaus kam es wiederholt zu kriegsbedingten Stromausfällen. Ein besonderes Risiko stellt auĂerdem die Besatzung des Kraftwerkes durch russische Truppen und der damit einhergehende psychische Druck auf die Betriebsmannschaften dar. Bewaffnete russische Soldaten sind auf dem Betriebsgelände ständig präsent, bedrohen die Mitarbeiter und behindern sie bei ihren täglichen Kontrollgängen und Arbeiten.cite-ref-316[312]
Kontroversen um die Kernenergie
Siehe auch
:
Anti-Atomkraft-Bewegung
Zu den Vor- und Nachteilen der Kernenergie gibt es unterschiedliche Ansichten, insbesondere wird ihre Sicherheit kontrovers diskutiert.cite-ref-317[313] Betrachtet man alle bisherigen Todesfälle, gehÜren Kernkraftwerke zu den sichersten Mitteln zur Stromproduktion.cite-ref-0-48-1[48]cite-ref-318[314] Von Kritikern wird die grundlastfähige und kohlenstoffarme Kernenergie im Hinblick auf den Stopp des Klimawandels als zu langsam verfßgbar und, im Vergleich zu einer Mischung aus Solar-, Wind-, Wasser- und Speichersystemen, als zu teuer gesehen.cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-6[71]cite-ref-319[315]cite-ref-320[316] Befßrworter hingegen sehen die Kernenergie als wichtige Säule beim Klimaschutz unter Aufrechterhaltung einer sicheren und bezahlbaren Stromversorgung.cite-ref-321[317]cite-ref-322[318]cite-ref-323[319]
Die Diskussion um die Kernenergie ist eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung ßber die fßr zivile Zwecke genutzte Kernspaltung zur Stromgewinnung aus Kernbrennstoffen.cite-ref-324[320]cite-ref-jstor-org-325-0[321]cite-ref-a-reasonable-bet-on-nuclear-power-326-0[322] Die Diskussion erreichte in den 1970er und 1980er Jahren eine Hochphase; in einigen Ländern wurde damals ßber Kernenergie intensiver diskutiert als jemals zuvor ßber eine Technologie.cite-ref-marcuse-org-327-0[323]cite-ref-328[324] Besonders in Deutschland war die Anti-Atomkraft-Bewegung jahrzehntelang gesellschaftlich stark verankert: Zunächst durch die Grßnen, später auch durch die SPD erhielt sie politische Plattformen.
BefĂźrworter sehen in der Kernenergie eine nachhaltige Technologie, die die Versorgungssicherheit erhĂśht, weil sie die Abhängigkeit vom Import von fossiler Energie reduziert.cite-ref-bloomberg-com-329-0[325] BefĂźrworter haben betont, dass durch Nutzung der Kernenergie eine viel geringere Menge an Treibhausgasen oder Smog als durch fossile Kraftwerke entsteht (siehe Umweltaspekte).cite-ref-330[326] Die Atomenergie ist im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energien auch ohne Verwendung von Speicherkraftwerken grundlastfähig. BefĂźrworter haben behauptet, das mit der Endlagerung verbundene Risiko sei klein und kĂśnne durch Einsatz fortschrittlicher Technologien wie Transmutation weiter gesenkt werden. Die (historische) Sicherheitsbilanz der Kernenergie in der westlichen Welt sei gut verglichen mit anderen groĂen Energieträgern.cite-ref-331[327]
Gegner der Kernenergie argumentieren, dass diese viele Gefahren fĂźr Mensch und Umwelt impliziert.cite-ref-share-332-0[328]cite-ref-nc-warn-333-0[329]cite-ref-sturgis-334-0[330] Es gab und gibt Probleme bei der Verarbeitung, beim Transport und bei der Lagerung von radioaktivem Abfall, das Risiko der Proliferation und des Terrorismus, sowie Gesundheitsrisiken und Risiken durch den Uranabbau.cite-ref-gierec-335-0[331]cite-ref-protest-336-0[332] Ein Hauptproblem der Kernenergie sei die Unwirtschaftlichkeit verglichen mit rapide gĂźnstiger gewordenen Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen. Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen lassen sich dezentral und viel schneller errichten bzw. installieren als ein neues Kernkraftwerk.cite-ref-cnnchina-34-1[34]cite-ref-francere-28-3[28]cite-ref-10-5281-zenodo-5573718-72-7[71]
Kritiker weisen zudem darauf hin, dass bei Kernkraftwerken Fehlfunktionen und Fehlbedienungen mÜglich und auf Dauer unvermeidlich seien (siehe auch Liste von Unfällen).cite-ref-bksenpol-337-0[333]cite-ref-338[334] Man kÜnne die Risiken der Kernenergie durch technische Weiterentwicklungen nicht vollständig ausräumen. Unter Berßcksichtigung der gesamten Kette vom Uranbergbau bis zur Endlagerung und dem Rßckbau der einzelnen Kernkraftwerke sei die Kernenergie weder eine CO2-neutrale noch eine wirtschaftliche Energiequelle.cite-ref-339[335]cite-ref-340[336]cite-ref-markd-341-0[337] Weitere Kritikpunkte sind die Begrenztheit nuklearer Brennstoffe und die Abhängigkeit von Uranlieferländern. Auch dass die Kernkraftwerksbetreiber in Deutschland von 1979 bis 2017 durch die Beteiligung an der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern fßr Abfallstoffe (DBE) an der Entsorgung ihrer eigenen Abfälle verdienten, ist kritisiert worden.cite-ref-spiegel-2008-342-0[338]cite-ref-heise-2010-343-0[339]
Argumente zur Wirtschaftlichkeit der Kernenergie sind von beiden Seiten vorgebracht worden. BefĂźrworter wie Gegner sind sich einig, dass der Preis von Uran nur einen geringen Teil der Kosten der Erzeugung von Strom aus Kernspaltung ausmacht. Auch besteht weitgehend Konsens darĂźber, dass der Bau der Kraftwerke und anderer groĂtechnischer Anlagen zu ihrem Betrieb (Urananreicherung, gegebenenfalls Wiederaufarbeitung, Endlager und/oder Transmutation) erhebliche Mengen Kapitals erfordert. Die von BefĂźrwortern ins Feld gefĂźhrten Small Modular Reactor als potentielle MĂśglichkeit, Kernkraftwerke auch ânach untenâ zu skalieren werden von Gegnern der Nutzung der Kernenergie allerdings bezweifelt. GroĂe Uneinigkeit besteht Ăźber die Kosten von Endlagerung, den Kosten real eingetretener oder zukĂźnftig denkbarer StĂśrfälle und inwiefern heute oder in der Vergangenheit Subventionen in die Kernenergie geflossen sind, wenn ja deren VerhältnismäĂigkeit und ob es sinnvoll sein kĂśnnte, Kernenergie womĂśglich in Zukunft zu subventionieren.
In den Jahren 2006 bis 2008 war etwa die Hälfte der deutschen BevÜlkerung fßr Kernenergie und die Hälfte dagegen.cite-ref-344[340]cite-ref-345[341]cite-ref-346[342] Im September 2022 waren 54 % der Deutschen fßr die Weiternutzung der Kernenergie in Deutschland und gegen den Atomausstieg, 32 % fßr eine Laufzeitverlängerung, und nur noch 12 % fßr den geplanten Ausstieg.cite-ref-347[343] Zum Zeitpunkt des deutschen Ausstiegs im April 2023 fanden 34 % der Befragten diesen richtig, 59 % falsch.cite-ref-348[344]
Siehe auch
Literatur
Siehe auch
:
Kernreaktor
,
Kernkraftwerk
und
Kerntechnik
Einsteiger
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Weblinks
Commons
: Kernenergie
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â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Kernenergie
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Peter Hug: Atomenergie. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
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